„Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst“ – Was bedeutet das wirklich? (Römer 9,13)

by Ester yusufu | 11 Juli 2020 08:46 p.m.07

Frage: Wenn Gott wirklich alle Menschen liebt – warum steht dann in der Bibel, dass er Esau „gehasst“ hat?

Das ist eine bedeutsame und oft falsch verstandene Stelle. Auf den ersten Blick klingt das hart: Wie kann ein liebender und gerechter Gott jemanden hassen? Um das richtig zu verstehen, müssen wir die Bibel im Gesamtzusammenhang betrachten – mit theologischer Klarheit, nicht mit menschlicher Gefühlsbetrachtung.


Was steckt hinter Römer 9,13?

„Wie geschrieben steht: Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst.“
– Römer 9,13 (Lutherbibel 2017)

Paulus zitiert damit eine Stelle aus dem Alten Testament:

„Ich habe Jakob geliebt, aber Esau habe ich gehasst.“
– Maleachi 1,2–3 (Lutherbibel 2017)

Wichtig: In den biblischen Sprachen (Hebräisch im AT, Griechisch im NT) bedeuten „lieben“ und „hassen“ nicht immer das, was wir heute unter diesen Begriffen verstehen. Oft geht es um „auswählen“ oder „bevorzugen“ gegenüber „ablehnen“ oder „nicht auswählen“. Solche idiomatischen Wendungen waren in der antiken Sprache üblich.

Theologisch sprechen wir hier von der Lehre der göttlichen Erwählung: Gott entscheidet in seinem souveränen Willen, bestimmte Menschen oder Nationen in seinen Heilsplan einzubeziehen.

Paulus beschreibt das so:

„…damit Gottes Vorsatz in der Erwählung bestände, nicht aus Werken, sondern aus dem, der beruft.“
– Römer 9,11–12 (Lutherbibel 2017)

Wenn also gesagt wird, Gott habe Esau „gehasst“, heißt das nicht, dass er ihn verabscheute oder ihm Böses wünschte. Es heißt: Er wählte ihn nicht aus, um der Träger des Bundversprechens zu sein (vgl. dazu 1. Mose 25,23). Jakob war auserwählt – nicht wegen seiner Verdienste, sondern wegen Gottes souveränen Plans.


Gottes Liebe ist für alle da, sein Wohlwollen aber kann selektiv sein

„Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab…“
– Johannes 3,16 (Lutherbibel 2017)

Ja – Gott liebt die Welt, also alle Menschen. Aber nicht alle empfangen automatisch alle seine Bundessegensegnungen, weil nicht jeder in Glauben und Gehorsam auf ihn reagiert. Gott ist nicht nur liebend, sondern auch heilig. Er liebt die Menschen, aber er hasst die Sünde.

Esau zeigte in seinem Leben eine Geringschätzung für geistliche Dinge:

„Da verachtete Esau sein Erstgeburtsrecht.“
– 1. Mose 25,34 (Lutherbibel 2017)

Und im Neuen Testament warnt Hebräer 12,16:

„Seht zu, dass niemand ein gottloser wie Esau sei, der für eine einzige Speise sein Erstgeburtsrecht verkaufte.“
– Hebräer 12,16 (Lutherbibel 2017)

Esau steht symbolisch für Menschen, die Gottes Verheißungen gering schätzen. Jakob dagegen – so fehlerhaft er auch war – schätzte den Bund, und Gott beschloss, seinen Heilsplan durch Jakob wirken zu lassen.

Dies deckt sich mit anderen biblischen Wahrheiten:

„Der HERR verachtet alle Stolzen des Herzens; sicher bleiben sie nicht ungestraft.“
– Sprüche 16,5 (Lutherbibel 2017)
„Die Augen des HERRN sehen auf die Gerechten, und seine Ohren hören ihr Schreien.“
– Psalm 34,15 (Lutherbibel 2017)


Jesu Lehre hilft uns, „Hass“ biblisch zu verstehen

Jesus selbst benutzte in seiner Lehre starke Bildsprache:

„Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und seine Mutter, seine Frau und seine Kinder … so kann er nicht mein Jünger sein.“
– Lukas 14,26 (Lutherbibel 2017)

Man darf das nicht wörtlich nehmen: Er spricht nicht von emotionaler Feindschaft, sondern betont die absolute Priorität der Nachfolge. Genauso ist es bei Römer 9,13: Gott „hasst“ Esau nicht aus Bosheit, sondern er wählte Jakob, weil ihm dieser in seinem Heilsplan eine besondere Rolle zuweist.


Gott ist souverän und gerecht

In Römer 9 spricht Paulus nicht nur von Jakob und Esau als Einzelpersonen, sondern auch als stellvertretende Persönlichkeiten für Nationen – Israel und Edom. Gottes Wahl Jakobs zeigt, dass er nicht verpflichtet ist, nach menschlichen Leistungen auszuwählen, sondern aus Gnade.

Paulus sagt:

„Denn dem, dem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig; und wen ich erbarme, den erbarme ich.“
– Römer 9,15 (Lutherbibel 2017)

Das ist keine Ungerechtigkeit, sondern göttliche Souveränität. Gott kennt alle Dinge in ihrer Tiefe und entscheidet nach seinem weisen und gerechten Willen.


Was heißt das für uns heute?

Dieser Vers erinnert uns an eine zentrale Wahrheit: Gottes Gnade ist groß – und zugleich ernst zu nehmen.

Wir sind davor gewarnt, denselben Fehler zu machen:

„Arbeitet an eurer Rettung mit Furcht und Zittern.“
– Philipper 2,12 (Lutherbibel 2017)

„Wenn ihr meint zu stehen, passt auf, dass ihr nicht fallet!“
– 1. Korinther 10,12 (Lutherbibel 2017)


Abschließende Gedanken: Gottes Wunsch ist, dass alle gerettet werden

Obwohl Gott nach seinem souveränen Willen auswählt, ist er nicht ungerecht oder unbarmherzig. Er gibt allen Menschen die Möglichkeit zur Umkehr:

„Der Herr verzögert nicht die Verheißung … sondern er ist langmütig zu euch, nicht dass jemand verloren gehe, sondern dass alle zur Buße gelangen.“
– 2. Petrus 3,9 (Lutherbibel 2017)

Lasst uns darum sein wie Jakob – nicht perfekt, aber bereit, Gottes Verheißungen hochzuschätzen. Leben wir so, dass wir Gott ehren, in Furcht und in Gehorsam, und seine Zusagen ernst nehmen.


Fazit:

Komm, Herr Jesus!

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