WARUM ICH? – Eine theologische Betrachtung

by Dorcas Kulwa | 20 Januar 2021 08:46 a.m.01

 

Es gibt Zeiten, in denen wir uns in Situationen wiederfinden, die wir weder verstehen noch erklären können. Wir wissen nicht, was wir falsch gemacht haben, und doch scheinen die Schläge des Lebens uns mit voller Wucht zu treffen. Und dann bleibt diese eine Frage im Herzen:
„Warum ich?“

Diese Frage ist so alt wie das Leid der Menschheit – und sie wurde schon von einem der vorbildlichsten Männer der Bibel gestellt: Hiob.


Hiobs Integrität und sein unerklärliches Leid

Hiob war nach Gottes eigenem Zeugnis ein „frommer, rechtschaffener Mann, der Gott fürchtete und das Böse mied“ (Hiob 1,1 – Lutherbibel 2017).

Er lebte ein Leben der Reinheit, der Gastfreundschaft und des Gebets. Gott segnete ihn reichlich – materiell, familiär und geistlich.

Doch plötzlich änderte sich alles.
In kürzester Zeit verlor Hiob:seinen gesamten Besitz,seine Diener,und schließlich seine zehn Kinder.

Während er noch im Schmerz stand, wurde sein Körper von einer schrecklichen Hautkrankheit gequält. Er saß „in der Asche“ und kratzte sich mit einer Scherbe (Hiob 2,8 – LB 2017). Er magerte ab, bis man seine Knochen sah (vgl. Hiob 19,20).

Seine Frau forderte ihn sogar auf, Gott zu verfluchen (Hiob 2,9), doch Hiob tat es nicht.
Er fragte nur: „Warum ich?“


Der Tiefpunkt: Verzweiflung bis zur Selbstverfluchung

Hiob verfluchte den Tag seiner Geburt:

Hiob 3,3 – LB 2017)

Vergehen soll der Tag, an dem ich geboren wurde
und die Nacht, die sprach: ‚Ein Knabe ist empfangen.‘“

Er sehnte sich nach dem Tod (Hiob 7,4) und verstand nicht, warum ein gerechter Gott einen gerechten Menschen so tief leiden ließ.

Hiobs Worte spiegeln ein tiefes theologisches Thema wider:
Auch der Gerechte ist nicht vor Leid gefeit – etwas, das im Alten wie im Neuen Testament immer wieder bezeugt wird (vgl. Psalm 34,20; Johannes 16,33; 1. Petrus 4,12–13).

Auch heute fragen viele: „Warum ich?“

Diese Frage stellen Menschen heute genauso – wenn sie:Eltern oder Kinder verlieren,materielle Verluste erleiden,von unheilbaren Krankheiten getroffen werden,mit Behinderungen geboren werden,oder wenn das Leben völlig anders verläuft als geplant.

Viele fragen:
„Was habe ich Gott getan? Warum trifft es ausgerechnet mich?“

Doch hier beginnt das tiefe Geheimnis Gottes, das uns Hiob lehrt.

Gott antwortet – aber nicht so, wie Hiob erwartet

Ab Kapitel 38 spricht Gott schließlich zu Hiob – nicht, indem er ihm die Ursache seines Leidens erklärt, sondern indem Er Hiob Fragen stellt, die seine Begrenztheit zeigen.

Gott fragt:

Hiob 38,28 – LB 2017)

„Hat der Regen einen Vater?
Wer hat die Tropfen des Taus gezeugt?“

Hiob 38,31 – LB 2017)

„Kannst du die Bande des Siebengestirns binden
oder den Orion lösen?“

Diese Fragen erinnern Hiob daran:

Gott ist der Schöpfer – der Mensch ist Geschöpf.

Gottes Wege sind höher als unsere Wege

(vgl. Jesaja 55,8–9 – LB 2017).

Gott erklärt Hiob nicht warum er leidet.
Stattdessen offenbart Er, wer Er ist:
der souveräne, allmächtige, allwissende Herr.

Und diese Erkenntnis genügt Hiob.

Hiobs Wendepunkt: Erkenntnis, Umkehr und Gottes Gnade

Hiob antwortet dem Herrn:

Hiob 42,3 – LB 2017

„Ich habe Unverstandenes geredet, Dinge, die zu wunderbar für mich sind.“

Er erkennt:Leid ist nicht immer eine Strafe.Gott bleibt gerecht, auch wenn Umstände ungerecht erscheinen.Der Mensch kann Gottes Plan nicht vollständig erfassen.

Er demütigt sich – und dann geschieht etwas Großes:

Hiob 42,10 – LB 2017)

„Und der HERR wandte das Geschick Hiobs,
als er für seine Freunde bat,
und der HERR gab Hiob doppelt so viel, wie er gehabt hatte.“

Dies zeigt ein tiefes theologisches Muster:

Die Prüfung des Glaubens führt zur Reife und zum Segen

(vgl. Jakobus 1,2–4 – LB 2017).


Was bedeutet das für uns heute?

Als Christen wissen wir:Jede Prüfung hat einen Zweck, auch wenn wir ihn jetzt nicht sehen.Gott gebraucht Leid, um uns zu formen (Römer 5,3–5; Hebräer 12,5–11).Kein Leid ist sinnlos, wenn wir in Christus sind (Römer 8,28).Jesus selbst versprach, dass wir in der Welt „Bedrängnis“ haben werden – aber Er hat die Welt überwunden (Johannes 16,33).

Darum lautet das Gebot der Schrift:

1. Petrus 5,6–7 – LB 2017

„So demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes,
damit er euch erhöhe zu seiner Zeit.
Alle eure Sorge werft auf ihn;
denn er sorgt für euch.“


Fazit: Gehe weiter im Glauben – Gott kennt den Weg

Fragen wie „Warum ich?“ sind menschlich.
Aber wir dürfen wissen:

Gott hat einen Plan, auch wenn wir ihn nicht sehen.

 Gott ist gut, auch wenn die Umstände böse sind.

 Gott ist gerecht, auch wenn das Leben ungerecht ist.

 Gott wird handeln – zur „rechten Zeit“.

Darum:Bete weiter,Danke weiter,Lebe weiter in Heiligkeit,Harre aus wie Hiob.

Denn Er, der Hiob wiederherstellte,
ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit (Hebräer 13,8).

Shalom.

 

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