Was meint Jesus mit den Worten:

by Doreen Kajulu | 6 April 2021 08:46 a.m.04

„Es kommt die Stunde, da jeder, der euch tötet, meinen wird, Gott einen Dienst darzubringen“?
(Johannes 16,2)

Diese Aussage Jesu ist eine ernste prophetische Warnung an seine Jünger – und darüber hinaus an alle Gläubigen. Jesus kündigt an, dass eine Zeit kommen wird, in der Verfolgung und sogar Tötung von Christen durch Menschen geschehen wird, die aufrichtig davon überzeugt sind, damit Gottes Willen zu erfüllen. Es geht hier um religiös motivierte Verfolgung, bei der Täter ihre Gewalt als frommen Dienst oder als Akt des Gehorsams gegenüber Gott verstehen.

In Johannes 16,1–2 (Luther 2017) sagt Jesus:

„Das habe ich zu euch geredet, damit ihr keinen Anstoß nehmt. Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen. Es kommt aber die Zeit, dass, wer euch tötet, meinen wird, er tue Gott einen Dienst.“

Jesus sieht voraus, dass die Feindschaft gegen seine wahren Nachfolger nicht nur von politischen oder heidnischen Mächten ausgehen wird, sondern aus dem religiösen Umfeld selbst. Gerade diese Form der Verfolgung ist besonders gefährlich, weil sie mit religiösem Eifer begründet und durch falsche Auslegung der Schrift gerechtfertigt wird.


1. Biblische Beispiele für diese Art der Verfolgung

a) Jesus selbst

Jesus wurde nicht in erster Linie von Heiden verfolgt, sondern auf Betreiben der religiösen Elite Israels – der Hohenpriester, Schriftgelehrten und Pharisäer. Sie waren überzeugt, dass er das Gesetz des Mose breche. So warfen sie ihm vor, den Sabbat zu entheiligen, weil er heilte (Johannes 5,16–18), und der Gotteslästerung schuldig zu sein, weil er sich selbst Gott gleichstellte (Johannes 10,33).

Sie beriefen sich dabei unter anderem auf 2. Mose 31,15 (Luther 2017):

„Sechs Tage soll man arbeiten; der siebente Tag aber ist ein Sabbat völliger Ruhe, dem HERRN heilig. Wer am Sabbattag arbeitet, soll des Todes sterben.“

Als Jesus also am Sabbat heilte, sahen sie darin einen Gesetzesbruch, der nach ihrer Auffassung den Tod verdiente. In ihrer Logik war die Tötung Jesu ein Akt des Gehorsams gegenüber Gott – obwohl sie in Wahrheit den Sohn Gottes selbst ablehnten.


b) Stephanus, der erste Märtyrer

Stephanus, einer der führenden Männer der Urgemeinde, wurde von religiösen Juden gesteinigt, nachdem man ihn fälschlich der Gotteslästerung beschuldigt hatte.

In Apostelgeschichte 6,13–14 (Luther 2017) heißt es:

„Und sie stellten falsche Zeugen auf, die sprachen: Dieser Mensch hört nicht auf, Lästerworte zu reden gegen diese heilige Stätte und das Gesetz; denn wir haben ihn sagen hören: Jesus von Nazareth wird diese Stätte zerstören und die Ordnungen ändern, die uns Mose gegeben hat.“

Das mosaische Gesetz sagt dazu in 3. Mose 24,16 (Luther 2017):

„Wer den Namen des HERRN lästert, der soll des Todes sterben; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen.“

Die Männer, die Stephanus töteten, waren überzeugt, Gottes Gesetz zu verteidigen. In ihrem Verständnis war seine Hinrichtung ein religiöser Pflichtakt.


c) Die Vergangenheit des Apostels Paulus

Auch der Apostel Paulus selbst ist ein eindrückliches Beispiel. Vor seiner Bekehrung verfolgte er die Christen mit großem religiösem Eifer.

Er sagt rückblickend in Apostelgeschichte 26,9 (Luther 2017):

„Zwar meinte auch ich, ich müsste viel Widerwärtiges tun gegen den Namen Jesu von Nazareth.“

Paulus verfolgte die Gemeinde sogar bis zum Tod (vgl. Philipper 3,6) – in dem festen Glauben, Gott damit zu dienen.


2. Religiöse Verfolgung bis in die Gegenwart

Jesu Warnung beschränkte sich nicht auf die erste Gemeinde. Diese Form der Verfolgung zieht sich durch die gesamte Kirchengeschichte bis heute. Auch in unserer Zeit kommt Widerstand gegen echte Nachfolge Christi nicht selten aus religiösen Strukturen oder von Menschen, die überzeugt sind, im Auftrag Gottes zu handeln.

Beispiele:

Ein Prediger verkündigt öffentlich das Evangelium, und ausgerechnet andere kirchliche Verantwortliche zeigen ihn an – etwa mit dem Hinweis, er habe keine Genehmigung. Zur Rechtfertigung wird dann Römer 13,1 angeführt, wo es um Unterordnung unter staatliche Autoritäten geht.

 

Andere fühlen sich berechtigt, klare Evangeliumsverkündigung zu unterdrücken, indem sie sich auf Ordnung, Tradition oder kirchliche Regeln berufen – im Glauben, sie würden damit „Gottes Ansehen schützen“.

Was dabei oft übersehen wird: Der Heilige Geist kann gerade in solchen Momenten Herzen überführen und Menschen zur Umkehr führen. Sich diesem Wirken zu widersetzen bedeutet nicht, Gott zu dienen, sondern sich ihm entgegenzustellen.


3. Ermahnung und Ermutigung zum Schluss

Jesus sagt:

„Und die Feinde des Menschen werden seine eigenen Hausgenossen sein.“
(Matthäus 10,36 – Luther 2017)

Verfolgung kommt nicht immer von außen. Häufig entsteht sie im unmittelbaren Umfeld – sogar innerhalb der religiösen Gemeinschaft. So war es bei Jesus selbst, bei den Aposteln, und so ist es auch heute noch.

Darum sind Christen aufgerufen, wachsam und geistlich urteilsfähig zu bleiben. Nicht jede religiöse Handlung ist automatisch gottgefällig. Alles muss am Maßstab der Heiligen Schrift geprüft werden – unter der Leitung des Heiligen Geistes.

„Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen meines Vaters im Himmel tun.“
(Matthäus 7,21 – Luther 2017)


Schlussgedanken

Jesu Worte in Johannes 16,2 erinnern uns eindringlich daran:

Verfolgung kommt nicht nur von offensichtlichen Feinden, sondern oft von Menschen, die überzeugt sind, Gott zu dienen.

 

Religiöser Eifer ohne Wahrheit führt ins Verderben.

 

Wahre Nachfolger Jesu müssen bereit sein zu leiden – manchmal sogar durch religiöse Menschen – so wie Christus selbst gelitten hat.

Möge Gott uns die Gnade schenken, geistlich zu unterscheiden, und den Mut, standhaft zu bleiben – selbst dann, wenn wir von denen bekämpft werden, die fest davon überzeugt sind, im Recht zu 

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