Was bedeutet „Wenn du den Armen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut“? (Matthäus 6,3–4)

by Doreen Kajulu | 18 April 2021 08:46 p.m.04

Bibeltext (sinngemäß nach Elberfelder / Luther 2017)

Matthäus 6,1–4:
1 „Hütet euch, eure Gerechtigkeit nicht vor den Menschen zu tun, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel.
2 Wenn du also Almosen gibst, blase nicht vor dir her wie die Heuchler in den Synagogen und auf den Straßen, damit sie von den Menschen geehrt werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits empfangen.
3 Wenn du aber Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut,
4 damit deine Almosen im Verborgenen geschehen; und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir öffentlich vergelten.“

(Diese Formulierungen entsprechen dem Sinn der bekannten deutschen Übersetzungen wie Elberfelder und Luther, die im deutschen Sprachraum sehr verbreitet sind.)


Verständnis des Abschnitts

Jesus spricht hier darüber, warum und wie wir anderen helfen sollen. Der Kern seiner Lehre ist:

Gutes tun sollte nicht aus dem Wunsch heraus geschehen, bewundert zu werden.
Wenn wir anderen helfen, nur um Anerkennung zu bekommen, dann ist genau das der Lohn, den wir bekommen – die Anerkennung der Menschen. Mehr nicht.

Wahre Nächstenliebe geschieht im Verborgenen.
Jesus sagt nicht, dass du anderen nicht helfen sollst. Er sagt, dass du es nicht zur Schau stellen sollst. Die Metapher, dass die linke Hand nicht wissen soll, was die rechte tut, bedeutet:
Hilf anderen mit so viel Demut, dass es kaum jemand merkt – nicht einmal du selbst sollst danach damit prahlen.

Gott sieht alles – auch das Verborgene.
Wenn du anderen wirklich uneigennützig hilfst, sieht Gott das, auch wenn niemand sonst es weiß. Und Gott belohnt das auf seine Weise, nicht durch öffentliche Anerkennung, sondern durch etwas Tieferes und Dauerhaftes.


Theologische Einsichten – natürlich auf Deutsch

  1. Die Motivation zählt mehr als die Tat selbst
    Jesus legt den Fokus nicht auf die Handlung allein, sondern auf das Herz dahinter. Gute Taten ohne aufrichtiges Herz verlieren ihren Wert, wenn der Antrieb die Selbstdarstellung ist.

  2. Demut statt Selbstdarstellung
    Im damaligen Judentum war es üblich, Gaben zur Schau zu stellen, um Ruhm und Ehre zu erhalten. Jesus fordert stattdessen eine Haltung der Demut – Hilfe, ohne sie zu annoncieren.

  3. Das Problem der Selbstgerechtigkeit
    Jesus kritisiert nicht die Wohltätigkeit, sondern die Art, wie sie praktiziert wird. Wer hilft, um gesehen zu werden, hat seinen „Lohn“ bereits erhalten – er bekommt nichts von Gott dafür.

  4. Gott belohnt heimliche Taten
    Nicht unbedingt mit materiellem Gewinn, sondern mit innerem Frieden, geistlichem Wachstum und letztlich ewigen Segnungen – etwas, das menschliche Anerkennung nicht ersetzen kann.


Praktische Anwendung im Alltag


Zusammenfassung

Der Leitgedanke von Matthäus 6,1–4 ist einfach und gleichzeitig tiefgreifend:

Gutes tun in aller Stille – nicht um Menschen zu beeindrucken, sondern um Gott zu gefallen.

Wahre Belohnung kommt nicht von menschlichem Applaus, sondern von Gott selbst – der sieht, was verborgen bleibt und schenkt dafür echten, tiefen Lohn.


 

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