Was ist ein „Gidamu“ und warum sagte Johannes der Täufer, er sei nicht würdig, die Sandalen von Jesus auszuziehen?

by Doreen Kajulu | 29 April 2021 08:46 p.m.04

Was ist ein „Gidamu“?

Ein „Gidamu“ bezeichnet die Riemen oder Schnüre, mit denen in der Antike Sandalen befestigt wurden. Im Unterschied zu modernen Schuhen, in die der Fuß einfach hineingleitet, wurden Sandalen damals mit Riemen am Fuß und um den Knöchel geschnürt. Diese Riemen, auch Sandalenriemen oder Schnürriemen, sorgten dafür, dass die Sandalen überhaupt getragen werden konnten und sicher saßen.

Der Ausdruck „Gidamu“ findet sich in mehreren Bibelstellen, in denen Johannes der Täufer über den kommenden Messias spricht:

Markus 1,7 (Einheitsübersetzung):

„…Der aber nach mir kommt, ist stärker als ich; und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.“

Lukas 3,16 (Einheitsübersetzung):

„…Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“

Matthäus 3,11 (Einheitsübersetzung):

„…Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Sandalen auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“


Warum sagte Johannes, er sei nicht würdig?

Der historische und kulturelle Hintergrund

In der Antike hielten Riemen oder Schnüre Sandalen fest am Fuß. Das Binden oder Lösen dieser Riemen galt als eine äußerst niedrige, demütige Aufgabe. In jüdischen Gesellschaften übernahmen normalerweise Diener oder Sklaven solche Arbeiten – besonders Sklaven, die nicht jüdischer Herkunft waren. Für einen jüdischen Mann galt diese Tätigkeit als erniedrigend und unter seiner Würde.

In diesem kulturellen Kontext war also das „Lösen der Sandalen“ ein Symbol für eine sehr einfache und niedrige Dienstleistung.


Johannes’ demütige Aussage

Als Johannes der Täufer sagte, er sei nicht würdig, die Sandalen von Jesus zu lösen, wollte er damit nicht nur äußere Demut zeigen. Er brachte damit zum Ausdruck, dass die Würde, das Amt und die Heiligkeit Jesu Christi so weit über seinem eigenen stand, dass selbst die einfachste dienende Arbeit nicht „würdig genug“ wäre, um sie für Jesus zu tun.

Er erkannte damit öffentlich an:

Durch diesen Vergleich unterstrich Johannes seine völlige Unterordnung und Ehrfurcht vor Jesus – ein Ausdruck tiefster Demut.


Biblische Bedeutung von Johannes’ Demut

Johannes spricht davon, dass er selbst für die geringste Dienstleistung zu unwürdig sei, wenn es um Jesus geht. Das zeigt nicht nur seine persönliche Bescheidenheit, sondern auch seine Einsicht in die überragende Heiligkeit und göttliche Autorität Jesu.

Jesus selbst würdigte Johannes sehr hoch, als er sagte: „…unter denen, die von Frauen geboren sind, ist keiner größer als Johannes der Täufer.“ (vgl. Matthäus 11,11 – Einheitsübersetzung) .

Doch gerade diese hohe Stellung machte Johannes’ Demut umso eindrucksvoller: Er sah seine Aufgabe darin, den Weg zu Jesus vorzubereiten, nicht sich selbst zu erhöhen.


Anwendung für unser Leben

Johannes der Täufer stellt uns eine wichtige Frage: Wie demütig und bereit sind wir, zu dienen?

In der Nachfolge Christi zählt nicht, wie groß unsere Aufgabe ist, sondern mit welcher Haltung wir sie tun. Ob wir in der Gemeinde putzen, einem Nachbarn helfen oder anderen in großer Verantwortlichkeit dienen – alles wird wertvoll, wenn es mit einem demütigen Herz geschieht.

Jesus selbst gab das beste Beispiel: Er wusch seinen Jüngern die Füße – eine Aufgabe, die damals Dienern vorbehalten war – und zeigte damit, dass wahre Größe im Dienen liegt (vgl. Johannes 13,14–15).

Wenn wir erkennen, wie groß und heilig Jesus ist, sollte uns dies nicht klein machen – sondern unsere Demut vertiefen und uns motivieren, Ihm und anderen voller Ehrfurcht zu dienen.


Fazit

Johannes der Täufer sagte, er sei nicht würdig, die Sandalen von Jesus zu lösen, um die unermessliche Größe, Heiligkeit und Würde Jesu zu betonen und gleichzeitig die tiefe Demut seines eigenen Herzens auszudrücken. Dieses Wort dient uns heute als Ansporn, Jesus zu ehren und in echter Demut zu dienen, wo immer Gott uns gebraucht.


 

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