by Dorcas Kulwa | 15 Juli 2021 08:46 a.m.07
„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ (Lukas 6,36)
Barmherzigkeit gehört zu den zentralen Tugenden jedes Gläubigen, der Jesus Christus in sein Leben aufgenommen hat. Sie spiegelt das Wesen Gottes selbst wider – eines Gottes, der reich ist an Erbarmen und voller Mitgefühl (Psalm 103,8).
Warum sind wir zur Barmherzigkeit berufen? Weil unser himmlischer Vater barmherzig ist. Jesus sagt klar:
„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ (Lukas 6,36).
Als Kinder Gottes sind wir dazu berufen, seinen Charakter widerzuspiegeln und in seiner Liebe zu leben (Epheser 5,1–2). Barmherzigkeit ist dabei weit mehr als ein inneres Gefühl – sie ist eine aktive, gelebte Antwort auf menschliches Leid und Not, verwurzelt in der bedingungslosen Liebe Gottes (1. Johannes 4,7–8).
Die Heilige Schrift spricht sowohl von Barmherzigkeit als auch von Mitgefühl. Beide Begriffe sind eng miteinander verbunden, unterscheiden sich jedoch in ihrer Bedeutung:
Barmherzigkeit (griech. eleos) beschreibt das Zurückhalten einer verdienten Strafe oder das Gewähren von Vergebung, obwohl Gericht gerechtfertigt wäre. Sie ist ein zentrales Wesensmerkmal Gottes, der nicht nach unseren Verfehlungen handelt, sondern Gnade schenkt (Titus 3,5).
Mitgefühl (griech. splagchnízomai) bezeichnet ein tiefes inneres Erbarmen, das den Menschen im Innersten bewegt und zum Handeln führt. Es ist ein Ergriffensein, das Leid nicht nur wahrnimmt, sondern aktiv lindern will (Matthäus 9,36; Markus 1,41).
Ein Beispiel verdeutlicht den Unterschied:
Wenn ein Soldat einen sich ergebenden Feind aus innerem Erbarmen verschont, zeigt er Mitgefühl. Verschont er ihn lediglich aus Pflicht oder Vorschrift, handelt es sich um Barmherzigkeit.
Jesu Heilungsdienst war von Mitgefühl geprägt, nicht von bloßer Pflicht oder Machtausübung. In Markus 1,40–42 lesen wir von einem Aussätzigen, der Jesus um Heilung bittet. Jesus war „innerlich bewegt“ und heilte ihn. Das zeigt: Wahres Mitgefühl bedeutet, in das Leid eines anderen einzutreten und persönlich zu reagieren (Hebräer 4,15).
Auch wir sind aufgerufen, bei Krankheit und Leid nicht gleichgültig zu bleiben, sondern mit Gebet, Zuwendung und praktischer Hilfe zu reagieren – so wie Christus.
Echtes Mitgefühl bleibt nicht bei Worten stehen, sondern äußert sich in konkreter Hilfe. Der Apostel Johannes stellt uns in
1. Johannes 3,17–18 eine ernste Frage:
„Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat und sieht seinen Bruder oder seine Schwester Mangel leiden und verschließt sein Herz vor ihm – wie bleibt die Liebe Gottes in ihm?“
Gottes Mitgefühl zeigt sich durch Großzügigkeit, Teilen und Fürsorge. Wer den Armen hilft, leiht dem Herrn selbst (Sprüche 19,17).
Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lukas 10,30–37) macht deutlich, dass Mitgefühl immer Handeln bedeutet. Der Samariter setzt Zeit, Geld und persönliche Sicherheit ein, um einem schwer verletzten Fremden zu helfen. Jesus stellt dieses Verhalten bewusst der Gleichgültigkeit von Priester und Levit gegenüber.
Hier wird sichtbar: Mitgefühl ist opferbereit, praktisch und überwindet ethnische, soziale und religiöse Grenzen, um Leben und Würde wiederherzustellen.
Die Geschichte vom verlorenen Sohn (Lukas 15,11–32) offenbart eindrucksvoll das mitfühlende Herz Gottes gegenüber reuigen Sündern. Der Vater läuft seinem verlorenen Sohn entgegen, umarmt ihn und nimmt ihn ohne Vorwurf wieder auf.
Dieses Bild fordert uns heraus, Menschen, die vom Glauben abgekommen sind, nicht zu verurteilen, sondern sie in Liebe zu ermutigen und behutsam wiederherzustellen (Galater 6,1).
Auch innerhalb der Gemeinde ist Mitgefühl unverzichtbar. Paulus ermahnt uns:
Epheser 4,32
„Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus“
Gegenseitige Barmherzigkeit stärkt die Einheit der Gemeinde und macht Gottes Gnade sichtbar.
Mitgefühl in der Bibel ist weit mehr als emotionale Anteilnahme. Es ist ein göttliches Wesensmerkmal und zugleich ein klarer Auftrag an alle Gläubigen. Es entspringt dem Wesen Gottes selbst (2. Mose 34,6) und wird in höchster Vollkommenheit in der Menschwerdung Jesu Christi sichtbar – Gott tritt in das menschliche Leiden ein (Johannes 1,14).
Mitgefühl ist untrennbar mit der Agape-Liebe verbunden – jener selbstlosen, opferbereiten Liebe, zu der Gott uns ruft (1. Korinther 13). Es ist sowohl eine Frucht des Heiligen Geistes (Galater 5,22) als auch ein Kennzeichen echter Jüngerschaft (Johannes 13,34–35).
Möge der Heilige Geist uns befähigen, Gottes Mitgefühl im Alltag sichtbar zu leben – aktiv, praktisch und liebevoll. So spiegeln wir das Herz unseres barmherzigen Vaters wider und erfüllen Jesu Auftrag:
Lukas 6,36
„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ .
Schalom
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