„Führt ihn sicher ab“

by Dorcas Kulwa | 23 Februar 2022 08:46 a.m.02

 


„Führt ihn sicher ab“

Hast du schon einmal eine Entscheidung getroffen, die zunächst harmlos erschien – und erst später erkannt, wie viel Schaden sie tatsächlich angerichtet hat? Genau das geschah Judas Iskariot. Ein Mann, der mit Jesus unterwegs war, Wunder miterlebte und die Wahrheit direkt aus dem Mund der Quelle des Lebens hörte. Und doch traf er eine Entscheidung, die tragisch endete – mit seinem eigenen Tod.

Judas wollte kein Blut – er wollte Geld

Oft wird angenommen, Judas habe Jesus aus Hass verraten. Doch die Bibel zeichnet ein differenzierteres Bild. Sein Verrat entsprang nicht in erster Linie Feindschaft, sondern Habgier.

Matthäus 26,14–15

„Da ging einer von den Zwölfen, Judas Iskariot, zu den Hohenpriestern und sagte: ›Was gebt ihr mir, wenn ich ihn euch ausliefere?‹ Und sie zahlten ihm dreißig Silberlinge.“

Diese Summe entsprach dem Preis eines Sklaven (2. Mose 21,32) – ein deutliches Zeichen dafür, dass Judas Jesus innerlich bereits geringgeschätzt hatte.

Was viele jedoch übersehen: Judas rechnete nicht mit dem Tod Jesu. Er ging davon aus, dass Jesus nach der Verhaftung zurechtgewiesen oder bestraft, aber nicht hingerichtet würde. Das zeigen seine eigenen Worte:

Markus 14,44

„Der Verräter hatte ihnen ein Zeichen vereinbart und gesagt: ›Der, den ich küssen werde, der ist es. Den ergreift und führt ihn sicher ab.‹“

Diese Worte – „führt ihn sicher ab“ – machen deutlich: Judas wollte Jesus nicht töten lassen. Er glaubte, die Situation unter Kontrolle zu haben.

Die Tragik einer unterschätzten Sünde

Doch Judas hatte die Tragweite seiner Tat völlig verkannt. Als er erkannte, dass Jesus bereits zum Tod verurteilt war, wurde er von tiefer Reue ergriffen.

Matthäus 27,3–4

„Als Judas sah, dass Jesus verurteilt war, ergriff ihn Reue. Er brachte die dreißig Silberlinge zu den Hohenpriestern und Ältesten zurück und sagte: ›Ich habe gesündigt; ich habe unschuldiges Blut verraten.‹“

Dieser Moment ist von großer theologischer Bedeutung: Judas bezeugt die Unschuld Jesu – und erfüllt damit Jesaja 53,9:

Jesaja 53,9b

„Er hat kein Unrecht getan, und in seinem Mund war kein Betrug.“

Doch Reue ist nicht dasselbe wie Buße. Judas empfand Schuld, aber anstatt zu Jesus zurückzukehren und Vergebung zu suchen, zog er sich in Verzweiflung zurück.

Matthäus 27,5

„Da warf Judas das Geld in den Tempel, ging fort und erhängte sich.“

Sein Leben bestätigt die Wahrheit aus 2. Korinther 7,10:

„Denn die Traurigkeit nach Gottes Willen bewirkt eine Umkehr zum Heil, die man nicht bereut; die Traurigkeit der Welt aber führt zum Tod.“

Judas erlebte weltliche Traurigkeit – Schmerz ohne Heilung –, weil er das Entscheidende verpasste: zu Jesus zurückzukehren.

Die trügerische Macht der Sünde

Die Geschichte von Judas ist eine ernste Warnung. Sünde erscheint oft klein, kontrollierbar, scheinbar folgenlos. Man sagt sich: „Nur dieses eine Mal. Ich kann später immer noch umkehren.“ Doch Sünde kommt nicht mit einem Warnhinweis – sie fordert ihren Lohn.

Römer 6,23

„Denn der Lohn der Sünde ist der Tod; die Gnade Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.“

Die Bibel spricht bewusst vom Lohn, nicht von einer bloßen Strafe. Sünde trägt ihre Konsequenz in sich – manchmal verzögert, aber immer unausweichlich.

Sünde wird nicht daran gemessen, wie harmlos sie sich anfühlt oder womit man bisher davongekommen ist, sondern daran, was Gott sagt, was sie hervorbringt: geistlichen Tod, Zerbruch und Trennung von ihm.

Auch Samson meinte, mit der Sünde spielen zu können – bis er blind, gefesselt und gedemütigt endete (Richter 16). Wie Judas dachte auch er nicht, dass dieser Moment sein Wendepunkt sein würde.

Verrat und Gottes Souveränität

Obwohl Judas aus freiem Willen handelte und Verantwortung trug, macht die Schrift zugleich klar: Jesu Tod war kein Unfall. Er war Teil von Gottes souveränem Erlösungsplan.

Apostelgeschichte 2,23

„Diesen Mann, der nach Gottes festgesetztem Ratschluss und seiner Vorsehung ausgeliefert wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und getötet.“

Diese Spannung lehrt uns zweierlei:

Unterschätze die Sünde nicht

Vielleicht stehst du gerade in der Versuchung, zu sagen: „Ich sündige nur einmal – und kehre später um.“ Doch was, wenn diese eine Entscheidung dich weiter führt, als du je geplant hast? Was, wenn sie – wie bei Judas – Konsequenzen nach sich zieht, die du nicht kommen sahst?

Lass mich dich in Liebe warnen:
Die Beziehung, für die du Kompromisse eingehst, die geheime Sünde, die du innerlich rechtfertigst – sie könnte zum Wendepunkt deines geistlichen Niedergangs werden.

Ein Prediger sagte einmal treffend:
„Fürchte dich nicht vor dem Teufel – fürchte dich vor der Sünde.“

Denn die Schrift sagt nicht, dass der Lohn des Teufels der Tod ist.
Sie sagt:

Römer 6,23

„Der Lohn der Sünde ist der Tod.“

Schlussgebet

Herr Jesus, öffne uns die Augen für den wahren Preis der Sünde. Schenke uns Gnade, der Versuchung zu widerstehen, Kraft, im Gehorsam zu leben, und die Weisheit, zu dir zu fliehen – nicht vor dir weg –, wenn wir fallen. Bewahre uns davor, kurzfristigen Gewinn gegen ewigen Verlust einzutauschen.
Amen.

 

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