by Dorcas Kulwa | 27 August 2022 08:46 p.m.08
(Hiob 23,12, SLT)
Ich habe das Gebot seiner Lippen nicht verlassen; die Worte aus seinem Mund waren mir wertvoller als meine tägliche Speise.
Diese Worte Hiobs zeigen die Haltung eines Menschen, dessen Herz ganz auf Gott ausgerichtet ist. Hiob spricht nicht nur von Gehorsam; er offenbart, welchen Stellenwert Gottes Wort für ihn hat—höher als selbst die grundlegendsten menschlichen Bedürfnisse. Das ist eine Aussage von enormer Tiefe: Sie beschreibt einen geistlichen Hunger, der den körperlichen Hunger überragt.
Hiobs Ehrfurcht vor Gottes Wort erklärt, warum Gott ihn als „rechtschaffen und untadelig“ bezeichnete, als jemanden, der Gott fürchtet und das Böse meidet (Hiob 1,1). Seine Integrität entsprang keiner Tradition und keinem äußeren Ritual—sie wurzelte in persönlicher Hingabe und einer tiefen Wertschätzung für Gottes Willen.
In einer Welt, die vom Streben nach Besitz und Sicherheit bestimmt wird, wirkt Hiobs Haltung fast fremd. Der natürliche Mensch sorgt sich, wie Jesus in Matthäus 6 hervorhebt, um Essen, Trinken und Kleidung. Doch Hiob bezeugt, dass sein größtes Bedürfnis nicht Brot war, sondern Gottes Wort—ein Gedanke, der bereits in 5. Mose 8,3 ausgedrückt wird und den Jesus in der Wüste bestätigte:
„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund des Herrn hervorgeht.“
Jesus lebte selbst in diesem Bewusstsein. Als die Jünger Ihn zum Essen drängten, antwortete Er:
Johannes 4,34)
„Meine Speise ist die, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe.“
Für Jesus war der Wille des Vaters echte Nahrung. Dieser gleiche Hunger trieb auch Hiob an—nicht die Suche nach materiellen Segnungen, sondern das Verlangen nach Gottes Nähe, Reinheit und Wahrheit.
Hiobs Alltag war geprägt von geistlicher Disziplin. Er brachte nicht nur Opfer für sich selbst dar, sondern betete auch stellvertretend für seine Kinder:
(Hiob 1,5)
„So tat Hiob allezeit.“
Das zeigt einen Mann, der nicht erst reagierte, wenn Probleme kamen, sondern geistliche Verantwortung vorausdachte. Er schloss einen Bund mit seinen Augen (Hiob 31,1), kümmerte sich gerecht um Arme und Bedürftige (Hiob 31,16–22) und wehrte dem Bösen schon an der Wurzel.
Seine Handlungen waren keine spontanen Gefälligkeiten—sie waren Ausdruck eines Lebens, das tief in der Furcht des Herrn verankert war. Hiob zeigt uns, dass wahre Gerechtigkeit nicht nur daraus besteht, das Böse zu meiden, sondern aktiv Gottes Herz zu suchen.
Bemerkenswert ist: Die Bibel bezeichnet Hiob weder als Israeliten noch als Propheten oder Priester. Er war einfach ein Mann aus Uz. Das erinnert uns daran, dass echte Gottesnähe nicht einem bestimmten Stand vorbehalten ist. Jeder Mensch kann Gott aufrichtig und hingebungsvoll dienen.
Unter dem Neuen Bund sind wir sogar noch privilegierter: Wir haben das vollständige Wort Gottes und den innewohnenden Heiligen Geist. Jesus machte deutlich:
Johannes 8,31–32)
„Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wahrhaft meine Jünger; und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“
Und Er sagte:
Johannes 14,23)
„Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten … und wir werden Wohnung bei ihm machen.“
Gottes Wort soll unser Zuhause werden—so, wie es für Hiob war. Etwas, das wir höher achten als Bequemlichkeit, Ansehen oder sogar unsere tägliche Nahrung.
Jesus warnte seine Jünger:
(Matthäus 26,41)
„Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“
Wenn wir dieses Gebot vernachlässigen, werden wir geistlich träge—sensibel für Essenszeiten, aber unempfindlich für Gebetszeiten. Doch wenn unser Hunger nach Gott größer wird als unser Appetit auf Nahrung, treten wir in die Fußspuren von Hiob, Daniel und Paulus—Menschen, die den Preis, aber auch die Frucht geistlicher Disziplin kannten.
Ein wesentlicher Prüfstein geistlicher Reife ist unser Umgang mit Vergebung. Jesus sagte unmissverständlich:
Matthäus 6,14–15)
„Wenn ihr den Menschen ihre Vergehungen vergebt, wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben. Wenn ihr aber nicht vergebt … wird auch euer Vater euch nicht vergeben.“
Vergebung ist kein Vorschlag, sondern ein Gebot Gottes. Sie zeigt, dass wir Seine Gnade verstanden haben. Paulus erinnert uns:
Epheser 4,32)
„Seid gütig und barmherzig zueinander und vergebt einander, wie auch Gott euch in Christus vergeben hat.“
Egal wie oft wir verletzt oder ungerecht behandelt wurden: Jesus rief uns auf, nicht nur siebenmal zu vergeben, sondern „siebzigmal siebenmal“ (Matthäus 18,22).
Hiobs Leben bestätigt uns, dass Gott die Menschen sieht, die Ihm treu sind:
2. Chronik 16,9)
„Denn die Augen des Herrn durchstreifen die ganze Erde, um denen beizustehen, deren Herz ungeteilt auf ihn gerichtet ist.“
Möge Gott uns zu solchen Menschen machen—Menschen, die Sein Wort höher achten als alles andere und jeden Tag danach streben, Seinen Willen zu tun.
Möge der Herr in uns den Hunger wecken, Ihn mehr zu suchen als Nahrung, und Sein Wort über alles zu schätzen.
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