„Gib mir weder Armut noch Reichtum“

by Rehema Jonathan | 6 Juni 2023 08:46 p.m.06


„Gib mir weder Armut noch Reichtum“

Sprüche 30,7–9

„Zwei Dinge bitte ich dich, Herr, die verweigere mir nicht, ehe ich sterbe:
Hüte mich vor Trug und Lüge,
gib mir weder Armut noch Reichtum,
schenke mir nur mein tägliches Brot!
Sonst könnte ich satt werden und dich verleugnen und sagen: ‚Wer ist der Herr?‘
Oder ich könnte arm werden und stehlen und so den Namen meines Gottes entweihen.“


1. Ein Gebet für Ausgewogenheit – nicht für Extreme

Dieses Gebet von Agur (dem Verfasser von Sprüche 30) ist ein seltenes, aber kraftvolles Beispiel geistlicher Reife. Während viele von uns um Überfluss bitten, bittet Agur um genau das Richtige. Er bittet nicht aus Angst oder Faulheit, sondern aus einem Herzen, das die menschliche Schwäche erkennt. Theologisch spiegelt dieses Gebet das Prinzip wider, täglich von Gott abhängig zu sein, so wie Jesus im Vaterunser betet:

„Matthäus 6,11

Unser tägliches Brot gib uns heute.“ — 

Agurs Sorge ist, dass zu viel ihn zu Selbstgenügsamkeit führen könnte — eine Art Stolz, der Gott vergisst. Und zu wenig könnte ihn aus Verzweiflung zur Sünde treiben. Das zeigt ein tiefes Verständnis menschlicher Verderbtheit (Römer 3,23) und die Gefahren von Übermaß und Mangel.

2. Das Götzenbild des „Alles Haben Wollens“ – materiell und geistlich

Die meisten von uns können leicht beten, nicht arm zu sein. Aber wie viele können ehrlich beten: „Herr, mach mich nicht reich“?

In der heutigen Kultur — sowohl in der Welt als auch manchmal in der Kirche — wächst die Besessenheit nach mehr: mehr Reichtum, mehr Status, sogar mehr geistliche Gaben. Doch die Schrift warnt:

1. Timotheus 6,9

Denn wer reich werden will, fällt in Versuchung und Stricke und in viele törichte und schädliche Begierden…“

Und das gilt nicht nur materiell, sondern auch geistlich. Viele Menschen, sogar Pastoren, sehnen sich nach allen Gaben und Titeln. Paulus lehrt jedoch, dass geistliche Gaben von Gott nach seinem Willen verteilt werden — nicht nach unserem Ehrgeiz:

1. Korinther 12,27–30

„Ihr aber seid der Leib Christi und jeder einzelne ein Glied daran. Und Gott hat in der Gemeinde eingesetzt: zuerst Apostel, dann Propheten, dann Lehrer… Sind alle Apostel? Sind alle Propheten? Sind alle Lehrer?“

Die Antwort ist eindeutig: Nein. Nicht jeder ist berufen, alles zu haben. Dienst geht nicht um Position oder Vergleich, sondern um Treue in der ihm zugewiesenen Rolle.

3. Zufriedenheit ist theologisch

Agurs Gebet steht auch in enger Verbindung mit der Theologie der Zufriedenheit. Paulus sagt:

Philipper 4,11–12

„Ich habe gelernt, in welchem Zustand ich auch bin, darin zufrieden zu sein, ob ich satt bin oder Hunger habe, ob ich Überfluss habe oder Mangel leide.“

Diese Zufriedenheit ist keine passive Resignation, sondern ein aktives Vertrauen in Gottes Versorgung und Weisheit. Wir ehren Gott nicht, indem wir alles haben, sondern indem wir ihm mit dem vertrauen, was er uns gegeben hat.

4. Ein Dienerherz – kein selbstgemachter Geist

Sogar Elija, ein Prophet voller Gottes Kraft, erreichte einen Punkt tiefer Demut und Erschöpfung:

1. Könige 19,4

„Da ging er hin zu einem Ginsterstrauch, setzte sich darunter und wünschte sich zu sterben: ‚Es ist genug, Herr! Nimm nun mein Leben, denn ich bin nicht besser als meine Vorväter.‘“

Elija sah sich nicht als überlegen – auch nach großen Siegen. Er wusste um die Last seiner Berufung. Diese Demut machte ihn brauchbar in Gottes Händen.

5. Was bedeutet das für uns heute?

Wir müssen aufhören, Erfolg danach zu messen, was andere haben oder wie viel uns fehlt.

Gottes Ruf für dein Leben ist einzigartig und wird durch seine Gnade und Weisheit bestimmt – nicht durch dein Verlangen.

Je mehr wir akzeptieren und treu verwalten, was Gott uns schon gegeben hat, desto mehr Frucht bringen wir hervor.
„Dient einander, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat…“
— 1. Petrus 4,10

Bete um Genügsamkeit, lebe mit Ziel

Lasst uns Gott nicht nur um Überfluss bitten, sondern um das, was zu dem Ruf passt, den er uns gegeben hat. Lasst uns nicht Reichtum, Stellung oder geistliche Überlegenheit jagen, sondern treu dienen mit dem, was wir heute haben. So vermeiden wir Stolz und Sünde und ehren den Namen unseres Gottes.

Der Herr schenke uns Gnade, zufrieden, treu und fokussiert zu sein – heute.

Schalom.

 

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