by Ester yusufu | 20 Oktober 2024 08:46 p.m.10
Frage:
In den Sendschreiben an die sieben Gemeinden endet jede Botschaft mit den Worten „wer überwindet“. Bezieht sich dieser Ausdruck auf eine ganz bestimmte Einzelperson oder auf viele Gläubige?
Antwort:
Als Jesus in den Kapiteln 2 und 3 der Offenbarung zu den sieben Gemeinden spricht, warnt Er sie, ermutigt sie und gibt ihnen schließlich Verheißungen. Diese Verheißungen gelten „dem, der überwindet“ (griechisch: ho nikōn), was wörtlich „der Sieger“ oder „der Überwinder“ bedeutet. So heißt es zum Beispiel in der Botschaft an Thyatira:
Offenbarung 2,26 (Lutherbibel 2017):
„Und wer überwindet und meine Werke bewahrt bis ans Ende, dem will ich Macht geben über die Heiden.“
Das „Überwinden“ meint hier ein treues Ausharren im christlichen Leben – trotz Leiden, Versuchungen und Verfolgung (vgl. Römer 5,3–5; Jakobus 1,12). Es geht dabei nicht um Sündlosigkeit, sondern um beständige Treue und Gehorsam bis zum Ende.
Doch stellt sich die Frage: Ist mit dem „Überwinder“ eine einzelne, außergewöhnliche Person gemeint – oder viele?
Man könnte zunächst an eine Art geistlichen Einzelhelden denken. Doch der biblische Zusammenhang und der Sprachgebrauch zeigen eindeutig, dass alle Gläubigen gemeint sind, die im Glauben standhaft bleiben. Ein einfaches Beispiel verdeutlicht dies: Wenn ein Lehrer sagt: „Wer die Prüfung besteht, erhält eine Belohnung“, ist damit nicht nur eine Person gemeint, sondern jeder, der die Prüfung erfolgreich ablegt – egal wie viele es sind.
Genauso verhält es sich hier. Die Einzahlform beschreibt jeden einzelnen Gläubigen persönlich, schließt aber zugleich alle ein, die überwinden. Jeder, der im Glauben treu bleibt, hat Anteil an der Verheißung.
Der Apostel Paulus verwendet ein ähnliches Bild aus dem sportlichen Wettkampf:
1. Korinther 9,24 (Lutherbibel 2017):
„Wisst ihr nicht: Die im Stadion laufen, die laufen alle, aber nur einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt.“
Paulus betont hier den Ernst und die Hingabe, die zum christlichen Leben gehören. Der „eine Siegespreis“ steht sinnbildlich für das ewige Leben und das Mitregieren mit Christus. Das bedeutet jedoch nicht, dass nur ein einziger Gläubiger gerettet wird, sondern unterstreicht den Ruf zu konsequenter und ausdauernder Nachfolge.
Auch Jesus selbst macht deutlich, dass viele Menschen Anteil an den Segnungen des Reiches Gottes haben werden:
Matthäus 8,11 (Lutherbibel 2017):
„Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen.“
Diese Aussage bestätigt, dass die Verheißungen nicht einer einzelnen Person gelten, sondern einer großen Schar. Zugleich warnt Jesus jedoch davor, die Nachfolge auf die leichte Schulter zu nehmen:
Lukas 13,24 (Lutherbibel 2017):
„Ringet darum, dass ihr durch die enge Pforte hineingeht; denn viele, sage ich euch, werden hineingehen wollen und es nicht können.“
Das steht im Einklang mit der biblischen Lehre vom Ausharren (vgl. Hebräer 3,14): Errettung ist kein einmaliges Ereignis ohne Konsequenzen, sondern ein Leben in fortdauerndem Glauben und Treue zu Christus.
Zusammenfassend lässt sich sagen:
Der Ausdruck „wer überwindet“ bezieht sich auf alle Gläubigen, die im Glauben und im Gehorsam bis zum Ende standhaft bleiben. Es geht nicht um einen einzelnen „geistlichen Elitechristen“, sondern um den allgemeinen Ruf zur Treue an jeden Nachfolger Jesu. Die verheißenen Belohnungen – etwa die Macht über die Nationen – stehen sinnbildlich für die Teilhabe an der Herrschaft Christi (vgl. 2. Timotheus 2,12; Offenbarung 3,21).
Das christliche Leben ist daher ein Weg der beständigen Hingabe: Abkehr von der Sünde, treues Festhalten an Christus und konsequente Nachfolge. Mögen wir alle danach streben, zu den Überwindern zu gehören – im Vertrauen auf Gottes Gnade und seine Verheißungen.
Der Herr segne euch.
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