Auf den ersten Blick wirkt es befremdlich, dass ein allwissender Gott Fragen stellt oder Sachverhalte scheinbar untersucht. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Geschichte von Kain und Abel. Nachdem Kain seinen Bruder getötet hat, heißt es:
„Und der HERR sprach zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er sprach: Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein?“ (1. Mose 4,9 – Lutherbibel 2017)
Unwillkürlich stellt sich die Frage: Warum fragt Gott so etwas, wenn Er doch genau wusste, was geschehen war?
Dabei handelt es sich nicht um Unwissenheit, sondern um göttliche Herablassung. Gott begegnet dem Menschen auf eine Weise, die dieser verstehen kann. In der Theologie bezeichnet man das als Anthropopathismus — Gott drückt sich mit menschlichen Denk- und Gefühlsformen aus, um uns abzuholen.
Statt Kain sofort zu verurteilen, gibt Gott ihm Raum zur Selbstprüfung und zur Umkehr. Das entspricht Gottes gnädigem Wesen und seinem Wunsch, dass Menschen zur Buße kommen und nicht verloren gehen (vgl. 2. Petrus 3,9).
In der Heiligen Schrift sehen wir immer wieder, dass Gott echte Beziehung zulässt — sogar Fürbitte. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist das Gespräch Gottes mit Mose nach dem Abfall Israels:
„So lass mich nun, dass mein Zorn über sie entbrenne und sie verzehre … Mose aber flehte vor dem HERRN, seinem Gott, und sprach: Ach HERR … kehre dich ab von deinem grimmigen Zorn … Da gereute den HERRN das Unheil, das er seinem Volk zugedacht hatte.“ (2. Mose 32,10–14, auszugsweise – Lutherbibel 2017)
Brauchte Gott den Rat des Mose? Keineswegs. Doch Er ließ Mose für das Volk eintreten — als prophetisches Vorausbild auf Christus, unseren ewigen Fürsprecher (vgl. Hebräer 7,25). Dadurch offenbart Gott seine Bereitschaft zu echter, lebendiger Beziehung mit dem Menschen.
Dieses Handeln verdeutlicht, was man in der Theologie relationalen Theismus nennt: Gottes Souveränität schließt eine echte, antwortende Beziehung zu seiner Schöpfung mit ein.
Ein weiteres Beispiel finden wir bei Sodom und Gomorra:
„Und der HERR sprach: Es ist ein großes Geschrei über Sodom und Gomorra … Darum will ich hinabfahren und sehen, ob sie alles getan haben nach dem Geschrei, das vor mich gekommen ist; und wenn nicht, so will ich’s wissen.“ (1. Mose 18,20–21 – Lutherbibel 2017)
Gott ist hier nicht unwissend. Vielmehr zeigt Er, dass sein Gericht gerecht, geprüft und nachvollziehbar ist. Er handelt nicht willkürlich, sondern transparent und rechtmäßig. Dieses Prinzip zieht sich durch die gesamte biblische Offenbarung und stärkt unser Vertrauen in Gottes Gerechtigkeit.
Am deutlichsten offenbart sich Gottes Demut in der Menschwerdung Jesu Christi:
„Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht: Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst … und ward den Menschen gleich. Und in der Gestalt als Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.“ (Philipper 2,5–8 – Lutherbibel 2017)
Hier begegnen wir dem Geheimnis der Kenosis. Christus legte seine göttlichen Vorrechte freiwillig ab — nicht seine Gottheit. Er entschied sich zu leiden, zu lernen, zu weinen und zu sterben, damit niemand sagen kann: „Gott versteht meinen Schmerz nicht.“
Der Hebräerbrief bestätigt diese Wahrheit:
„Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte Mitleid haben mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde.“ (Hebräer 4,15 – Lutherbibel 2017)
Jesus erlebte Armut (Matthäus 8,20), Ablehnung (Johannes 1,11), Versuchung (Matthäus 4,1–11), Verrat und Tod — um unser vollkommener Erlöser und ein mitfühlender Herr zu sein.
Für den menschlichen Verstand mag diese Demut töricht oder schwach erscheinen. Doch die Schrift stellt klar:
„Denn die Torheit Gottes ist weiser als die Menschen, und die Schwachheit Gottes ist stärker als die Menschen.“ (1. Korinther 1,25 – Lutherbibel 2017)
Gerade Gottes scheinbare Schwachheit machte unsere Erlösung möglich. Sein Tod brachte Leben hervor. Seine „Niederlage“ am Kreuz wurde zum Sieg über Sünde und Tod.
Gottes Demut ist nicht nur eine Lehrfrage — sie ist ein Vorbild für unser tägliches Leben:
„Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst … Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht.“ (Philipper 2,3.5 – Lutherbibel 2017)
Wir sind nicht nur durch Demut gerettet worden — wir sind auch zur Demut berufen.
„Alle aber miteinander haltet fest an der Demut; denn: ‚Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.‘“ (1. Petrus 5,5 – Lutherbibel 2017)
Gottes Fragen, seine „Untersuchungen“ und seine Bereitschaft, uns auf menschliche Weise zu begegnen, offenbaren sein liebendes und demütiges Herz. Er ist nicht fern oder unnahbar. Er trat in unsere Geschichte ein, wurde einer von uns und trug das tiefste menschliche Leiden, um uns zu retten.
Lasst uns von Ihm lernen: Wahre Stärke liegt in der Demut.
Komm, Herr Jesus! (Offenbarung 22,20)
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Beginnen wir mit dem gesamten Zusammenhang:
„Denn es ist unmöglich, die, die einmal erleuchtet worden sind und geschmeckt haben die himmlische Gabe und teilhaftig geworden sind des Heiligen Geistesund geschmeckt haben das gute Wort Gottes und die Kräfte der zukünftigen Weltund dann abgefallen sind, wieder zu erneuern zur Buße, da sie für sich selbst den Sohn Gottes wieder kreuzigen und zum Spott machen.“
❗ Was sagt diese Stelle wirklich aus?
Diese Passage bezieht sich auf eine klar definierte Gruppe von Menschen:
Sie wurden geistlich erleuchtet,
sie haben die himmlische Gabe – das Heil – geschmeckt,
sie sind teilhaftig des Heiligen Geistes geworden,
sie haben die Güte des Wortes Gottes und die Kräfte der kommenden Welt erfahren.
Mit anderen Worten: Es geht hier nicht um oberflächliche Mitläufer, sondern um Menschen, die eine echte, tiefe Begegnung mit der Wahrheit des Evangeliums hatten.
Dann folgt jedoch die ernste Warnung:Wenn solche Menschen bewusst und vorsätzlich Christus den Rücken kehren und zu einem Leben der Rebellion zurückkehren, wird es unmöglich, sie erneut zur Umkehr zu führen.
🧠 Theologische Einordnung
Das bedeutet nicht, dass Gott nicht mehr bereit wäre zu vergeben.Es bedeutet vielmehr, dass die Fähigkeit und Bereitschaft zur Buße verloren geht.
Warum?
Weil Umkehr nicht allein eine menschliche Entscheidung ist.Sie ist ein Werk des Heiligen Geistes, der Sünde aufdeckt, echte Reue wirkt und das Herz zur Rückkehr zu Gott bewegt.
„Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat.“
„Und wenn er kommt, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht.“
Wenn ein Mensch den Heiligen Geist immer wieder betrübt und zurückweist, kann es dazu kommen, dass Er sich zurückzieht. Das Herz wird dann verhärtet. Ohne das Wirken des Geistes ist wahre Umkehr nicht mehr möglich.
Dies steht im Einklang mit der reformierten Theologie, insbesondere mit der Lehre von der wirksamen Berufung und der Beharrlichkeit der Heiligen. Wahre Gläubige verlieren ihr Heil nicht leichtfertig. Doch diese Stelle warnt: Wer nach voller Erkenntnis willentlich abfällt, offenbart entweder, dass er nie wirklich wiedergeboren war (vgl. 1. Johannes 2,19), oder überschreitet eine geistliche Grenze, hinter der menschlich gesehen keine Rückkehr mehr möglich ist.
🛑 Warum diese Warnung so ernst ist
Dieser Text richtet sich nicht an Christen, die mit Sünde ringen oder gelegentlich fallen.Er richtet sich an Menschen, die:
die Wahrheit vollständig erkannt haben
und sich anschließend bewusst von Christus abwenden und zur Sünde zurückkehren.
„Darum, wer meint, er stehe, mag zusehen, dass er nicht falle.“
„Denn wenn sie durch die Erkenntnis unseres Herrn und Heilands Jesus Christus den Befleckungen der Welt entronnen sind, werden aber wiederum darin verstrickt und überwunden, ist ihr letztes schlimmer geworden als das erste …Der Hund frisst wieder, was er gespien hat, und die Sau wälzt sich nach der Reinigung wieder im Kot.“
Diese Stellen machen deutlich, dass die Rückkehr zur Sünde nach voller Erkenntnis Christi zu schwerem geistlichem Schaden und größerem Gericht führt.
💡 Was, wenn du gerade dabei bist, dich zu entfernen?
Wenn du das liest und merkst, dass du – trotz der erfahrenen Gnade Gottes – wieder in alte Sünden zurückkehrst, nimm diese Botschaft ernst.
Spürst du noch Überführung, Traurigkeit oder innere Unruhe, dann ist das ein Zeichen dafür, dass Gottes Gnade noch wirkt. Der Heilige Geist ist noch am Werk in dir. Doch diese Stelle ist eine Warnung: Wer seine Stimme dauerhaft unterdrückt, kann einen Punkt erreichen, an dem er sie nicht mehr hört.
„Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht.“
✅ Was solltest du jetzt tun?
Nimm die Überführung ernst.Diese innere Unruhe ist kein Fluch, sondern ein Geschenk Gottes.
Tu aufrichtige Buße.
Wenn du zu alten Sünden zurückgekehrt bist – sexuelle Unmoral, Trunkenheit, Unehrlichkeit, Hass oder Abhängigkeiten – kehre jetzt davon um.
Kehre zu Christus zurück, solange noch Zeit ist.
„Suchet den HERRN, solange er zu finden ist; rufet ihn an, solange er nahe ist.Der Gottlose lasse von seinem Wege und der Übeltäter von seinen Gedanken und bekehre sich zum HERRN, so wird er sich seiner erbarmen.“
🕊️ Schlussgedanke
Hebräer 6,6 ist ein Weckruf – nicht, um uns in Verzweiflung zu stürzen, sondern um uns aufzurufen, unser Heil ernst zu nehmen.Der Gott, der rettet, ist auch der Gott, der warnt. Wenn wir heute seine Stimme ignorieren, kann die Zeit kommen, in der wir sie nicht mehr hören.
Möge der Herr uns Herzen schenken, die weich bleiben für seine Stimme.Der Herr kommt bald.
Die Bibel sagt uns, dass alles seine Zeit hat – für jedes Ereignis gibt es den passenden Moment.
Prediger 3,1 (Lutherbibel 2017):„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“
Das heißt: Du kannst dir noch so sehr wünschen, dass etwas passiert, wenn es nicht die richtige Zeit dafür ist, wird es nicht geschehen.
Nimm zum Beispiel einen Mangobaum: Wenn es nicht die Zeit ist, dass er Früchte trägt, hilft es nichts, ihn zu gießen oder zu düngen – er bringt einfach keine Früchte.
Warum?Weil es noch nicht die Fruchtzeit ist. Die richtige Zeit ist einfach noch nicht gekommen.Doch wenn die Zeit da ist, dann trägt er Früchte – auch ohne dass du viel gießt oder düngst.
Genauso ist es auch mit geistlichen Dingen. Es gibt Dinge, die nur in bestimmten Zeiten geschenkt werden. Sie sind nicht immer verfügbar – und eines davon ist die Gnade zur Errettung.
Viele denken, die Gnade Gottes für die Rettung ist ewig und immer zugänglich. Aber tatsächlich ist sie nur für eine bestimmte Zeit.
Vor Jesu Kommen war diese Gnade nicht zugänglich. Es gab keine Vergebung der Sünden, wie wir sie heute kennen. Sünden wurden nur vorübergehend bedeckt, nicht weggenommen.
David, Mose, Elia und die anderen Propheten hatten ihre Sünden nicht weggenommen, sondern nur bedeckt. Und jedes Jahr wurde daran erinnert (Hebräer 10,3).
Das lag aber nicht daran, dass sie nicht genug gebetet hätten oder wenig Glauben hatten. Ganz im Gegenteil!
Jakobus 5,17 (Lutherbibel 2017):„Elia war ein Mensch mit denselben Schwächen wie wir, und er betete inständig, dass es nicht regnen sollte; und es hörte drei Jahre und sechs Monate nicht auf zu regnen.“
Sie waren voller Eifer und Glauben – mehr als viele heute.
Warum also bekamen sie nicht die Gnade, die wir heute haben?
Weil es nicht die bestimmte Zeit für die Gnade Gottes war. Egal wie viel sie beteten, diese Gnade war noch nicht offenbart.
Doch als Jesus kam, begann eine neue Zeit – eine Zeit der Gnade und Errettung.
Lukas 4,18–19 (Lutherbibel 2017):„Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, den Armen das Evangelium zu predigen;er hat mich gesandt, Gefangenen Befreiung zu verkündigen und Blinden, dass sie wieder sehend werden,Zerschlagene in Freiheit zu setzen,ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen.“
Beachte, dass es hier heißt „ein Gnadenjahr des Herrn“, nicht einfach nur „ein Jahr“.Es ist eine bestimmte, angenommene Zeit.
Das zeigt uns, dass es Zeiten gibt, die Gott annehmen und andere, die er nicht annimmt.
Was heißt das für uns?
Die Bibel gibt eine klare Antwort:
2. Korinther 6,1–2 (Lutherbibel 2017):„Wir ermahnen euch aber, dass ihr die Gnade Gottes nicht umsonst empfangt.Denn er spricht: »Zur Zeit der Gnade habe ich dich erhört, und am Tag des Heils habe ich dir geholfen.«Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils.“
Gott sagt also:„In der Zeit der Gnade werde ich dich hören.“„Im Tag des Heils werde ich dir helfen.“Außerhalb dieser Zeit gibt es keine Errettung – so wie eine Frucht nur in ihrer Saison wächst.
Freund, die Zeit der Gnade nähert sich dem Ende.
Sie endet mit der Entrückung. Danach wird es keine Möglichkeit mehr geben, gerettet zu werden – egal wie sehr man betet oder fastet. Denn es wird nicht mehr die angenommene Zeit sein.
Wie gehst du heute mit dieser Gnade um?
Die Propheten haben sich diese Zeit gewünscht, in der wir jetzt leben – sie durften sie aber nicht erleben.Jetzt ist die Zeit, in der Gott unser Gebet hört und unsere Bitten annimmt.Doch es kommt ein Tag, an dem der Himmel verschlossen wird.
Bist du heute schon in diese Gnade eingetreten?
Ganz einfach:
Das ist der Schlüssel.Ein einfacher, aber kraftvoller Schritt, der dich Gott näherbringt.
Maranatha! Der Herr kommt!