Frage: Die Bibel verbietet das Schwören. Warum schwören Menschen trotzdem vor Gericht oder bei Hochzeitszeremonien?

Frage: Die Bibel verbietet das Schwören. Warum schwören Menschen trotzdem vor Gericht oder bei Hochzeitszeremonien?

Antwort:

Um das richtig zu verstehen, sollte man wissen, dass die Bibel über verschiedene Arten von Schwüren spricht – und nicht alle Schwüre sind sündhaft oder verboten.

Paulus zum Beispiel ruft Gott als Zeugen an, um seine Worte zu bestätigen:

„Gott aber sei mir Zeuge, dass ich euch nicht zur Last fallen wollte!“
— 2. Korinther 1,23

„Denn Gott ist mein Zeuge, dem ich diene mit meinem Geist im Evangelium seines Sohnes…“
— Römer 1,9

Daraus ergeben sich im Wesentlichen zwei Arten von Schwüren:

1. Schwüre der Verpflichtung und Treue
Diese Schwüre sind feierliche Versprechen vor Gott, oft auch Gelübde oder Bündnisse genannt. Sie binden geistlich und moralisch. Wenn jemand Gott ein Versprechen gibt, etwas zu tun oder zu unterlassen, bis ein bestimmtes Ziel erreicht ist, ist das ernst zu nehmen. Ein gebrochenes Gelübde gilt als Sünde:

„Wenn du Gott ein Gelübde tust, so verzögere es nicht, es zu erfüllen; denn er hat keinen Gefallen an Narren. Erfülle, was du gelobt hast.“
— Prediger 5,4-5

Auch die Ehe ist ein Beispiel für einen heiligen Bund. Wenn zwei Menschen nach Gottes Plan heiraten, verpflichten sie sich in einem heiligen Schwur, einander treu zu bleiben, bis der Tod sie scheidet:

„Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.“
— Markus 10,9

Ob das Ehepaar seine Gelübde öffentlich ausspricht oder nicht – der Bund vor Gott ist gültig.

2. Schwüre in rechtlichen und offiziellen Zusammenhängen
Vor Gericht oder bei Verträgen werden Menschen oft gebeten, die Wahrheit ihrer Aussagen zu schwören oder ihre Verpflichtung zu bestätigen. Solche Schwüre haben einen praktischen Zweck: Sie sichern Ehrlichkeit und schaffen Vertrauen. Es geht dabei nicht um moralische Überlegenheit, sondern darum, Verantwortung zu bezeugen und zuverlässig zu sein.

Welche Schwüre verbietet Gott?
Gott verurteilt unbedachte, hochmütige oder leichtfertige Schwüre – solche, die aus Ärger, Stolz oder Druck ausgesprochen werden. Beispiele sind:

  • „Bei Gottes Gerechtigkeit schwöre ich!“
  • „Ich schwöre auf das Grab meines Großvaters!“
  • „Ich schwöre bei meinem eigenen Leben!“
  • „Ich schwöre beim Thron Gottes!“

Solche Schwüre sind oft bedeutungslos, weil Menschen keine Macht über diese Dinge haben. Jesus warnte ausdrücklich:

„Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Thron…“
— Matthäus 5,34

Stattdessen lehrte Jesus: Sprecht einfach und ehrlich:

„Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; was darüber hinausgeht, ist vom Bösen.“
— Matthäus 5,37

Darum sollen Christen offen und ehrlich sprechen, sodass ihr „Ja“ wirklich Ja bedeutet und ihr „Nein“ wirklich Nein (Jakobus 5,12):

„Vor allem aber, meine Brüder, schwört nicht – weder bei dem Himmel noch bei der Erde noch bei irgendeinem anderen Schwur –, sondern lasst euer Ja ein Ja und euer Nein ein Nein sein, damit ihr nicht unter das Urteil fallt.“
— Jakobus 5,12

Möge Gott dich segnen, während du danach strebst, in Wahrheit und Integrität zu leben.

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Über den Autor

Ester yusufu editor

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