In der Heiligen Schrift finden wir zwei Arten von Gesetzen, die das menschliche Verhalten betreffen: solche, die direkt von Gott geboten sind, und solche, die von menschlichen Autoritäten oder durch gesellschaftliche Bräuche eingeführt wurden, die Gott seinem Volk zeitweise erlaubte.
So war es den Israeliten beispielsweise gestattet, sich scheiden zu lassen (5. Mose 24,1), bei bestimmten Sünden wie Ehebruch die Todesstrafe zu vollziehen (5. Mose 22,22) und nach dem Prinzip der lex talionis zu handeln – „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ (2. Mose 21,24). Dieses Prinzip diente der Regelung der Rechtsprechung und sollte übermäßige Vergeltung verhindern.
Entscheidend ist jedoch zu verstehen, dass diese Gesetze – obwohl sie in der Tora stehen – nicht Gottes ursprünglichem Willen für menschliche Beziehungen und das gesellschaftliche Zusammenleben entsprachen. Von Anfang an war Gottes Absicht, dass die Ehe eine dauerhafte, heilige Verbindung ist. So lesen wir in 1. Mose 2,24:
„Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden ein Fleisch sein.“
Gott hat weder Scheidung noch Töten als ideale Ordnungen eingesetzt. Diese Regelungen entstanden aufgrund der Verstocktheit des menschlichen Herzens und der sündigen Natur des Menschen. Das wird besonders deutlich in der Lehre Jesu Christi, der Gottes ursprüngliche Absicht für Ehe und zwischenmenschliche Beziehungen wiederherstellt.
Die Kinder Israels übernahmen viele Bräuche aus Ägypten und den umliegenden Kulturen, darunter Scheidung, Vergeltung und harte Strafmaßnahmen. Als Gott sie aus Ägypten in das verheißene Land führte, blieben ihre Herzen dennoch widerspenstig und an diese Praktiken gebunden. Wegen ihrer geistlichen Unreife und Herzenshärte ließ Gott durch Mose diese Gesetze zeitweise zu.
Dies war ein Akt göttlicher Nachsicht (theologisch auch Ökonomie genannt) – keine Offenbarung von Gottes vollkommenem Willen.
Jesus erklärt diese Nachsicht in Matthäus 19,3–9:
3 Da traten die Pharisäer zu ihm und versuchten ihn und sprachen: Ist’s erlaubt, dass sich ein Mann aus irgendeinem Grund von seiner Frau scheidet? 4 Er aber antwortete und sprach: Habt ihr nicht gelesen: Der am Anfang den Menschen geschaffen hat, schuf sie als Mann und Frau 5 und sprach: „Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein“? 6 So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden. 7 Da sprachen sie zu ihm: Warum hat dann Mose geboten, einen Scheidebrief zu geben und sie zu entlassen? 8 Er sprach zu ihnen: Mose hat euch erlaubt, euch von euren Frauen zu scheiden, wegen der Härte eurer Herzen; von Anfang an aber ist es nicht so gewesen. 9 Ich sage euch aber: Wer sich von seiner Frau scheidet – es sei denn wegen Unzucht – und heiratet eine andere, der bricht die Ehe.
Hier betont Jesus klar: Die Ehe ist von Gott als lebenslange, exklusive Gemeinschaft gedacht. Die Erlaubnis zur Scheidung war eine Zugeständnis an die menschliche Sünde, nicht Gottes Ideal. Das zeigt, wie Gottes Gesetz mit menschlicher Schwäche umgeht: Gott duldet, aber billigt die Gebrochenheit der Sünde nicht.
Diese Lehre offenbart den fortschreitenden Charakter der göttlichen Offenbarung. Das Alte Testament enthält sowohl bleibende moralische Prinzipien als auch zeremonielle und staatliche Ordnungen, die für den Bund Israels bestimmt waren. Viele dieser Gesetze weisen auf Christus hin oder finden ihre Erfüllung in ihm (Hebräer 8,13).
Das mosaische Gesetz hatte eine erzieherische Funktion (Galater 3,24) und führte Gottes Volk bis zum Kommen des Messias, der das Gesetz vollendet.
Darum schreibt Paulus in Römer 1,28:
„Und weil sie Gott nicht geachtet haben, hat Gott sie dahingegeben in einen verkehrten Sinn, zu tun, was nicht recht ist.“
Gott lässt den Menschen zuweilen ihren verstockten Begierden folgen – doch das ist nicht sein vollkommener Plan.
Ebenso wichtig ist es zu erkennen, dass die alttestamentlichen Gesetze über Vergeltung und Strafe begrenzt und reguliert waren, um eine Eskalation der Gewalt zu verhindern (2. Mose 21,23–25). Sie dienten der Gerechtigkeit, nicht der persönlichen Rache.
Doch Gottes endgültige Offenbarung in Christus ruft zu einem höheren Maßstab auf.
In der Bergpredigt sagt Jesus (Matthäus 5,43–45):
43 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: „Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.“ 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, 45 damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel seid.
Dies führt uns weg von einem rein gesetzlichen, vergeltenden Denken hin zu einem Leben, das von Gnade, Barmherzigkeit und Versöhnung geprägt ist – ganz nach dem Wesen Gottes.
Paulus bestätigt dies in Römer 12,20–21:
20 Wenn nun deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. 21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
Das ist die Ethik des Reiches Gottes: nicht Vergeltung, sondern das Böse durch Liebe überwinden.
Die Gesetze des Alten Testaments spiegeln Gottes Geduld und Barmherzigkeit gegenüber einem gefallenen Volk wider. Sie sind nicht das letzte Wort, sondern Teil von Gottes fortschreitendem Erlösungsplan.
Jesus ist gekommen, um Gottes ursprüngliche Absicht für Ehe, Gerechtigkeit und menschliche Beziehungen wiederherzustellen. Er ruft uns zu einem höheren Leben in Heiligkeit, Liebe und Vergebung.
Heute sind wir berufen, im neuen Bund zu leben, für unsere Gegner zu beten und die gute Nachricht von Gottes verwandelnder Gnade weiterzugeben.
Maranatha!
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