Sollen wir wirklich jedem geben, der uns bittet?

Sollen wir wirklich jedem geben, der uns bittet?

Die Frage
In Matthäus 5,42 sagt Jesus:

„Gib dem, der dich bittet, und weise den nicht ab, der von dir borgen will.“ (Luther 2017)

Diese Lehre wirft oft eine ernste und praktische Frage auf:
Sind wir wirklich verpflichtet, jedem zu geben, der uns darum bittet – selbst wenn die Person verantwortungslos ist, verschwenderisch oder fragwürdige Absichten hat? Gehorchen wir Christus nicht, wenn wir „nein“ sagen?

Der Kontext von Matthäus 5,42
Dieser Vers steht in der Bergpredigt (Matthäus 5–7), einem Abschnitt, in dem Jesus über das Herz des Gesetzes und die Ethik des Gottesreichs lehrt. In diesem Abschnitt (Matthäus 5,38–48) korrigiert Jesus den Missbrauch des „Auge um Auge“-Prinzips. Statt auf persönliche Vergeltung oder starre Gerechtigkeit zu bestehen, fordert er seine Nachfolger zu radikaler Großzügigkeit, Liebe und Barmherzigkeit auf – sogar gegenüber Feinden.

Wenn Jesus also sagt: „Gib dem, der dich bittet“, lehrt er uns, ein großzügiges Herz zu entwickeln, das nicht von Materialismus, Angst oder Stolz beherrscht wird. Das heißt aber nicht, dass wir ohne Weisheit oder Unterscheidungsvermögen wahllos geben sollen.

Ist es immer richtig zu geben?
Kurz gesagt: Nein. Obwohl wir zur Großzügigkeit aufgerufen sind, lehrt uns die Schrift auch, kluge Verwalter zu sein.

  1. Du kannst nicht geben, was du nicht hast
    Eine einfache Wahrheit: Du kannst nicht geben, was du nicht besitzt. Wenn jemand um etwas bittet, das über deine Möglichkeiten hinausgeht, bist du nicht verpflichtet, diesem Wunsch nachzukommen.

Zum Beispiel: Wenn jemand dich bittet, ihm eine Million zu leihen, und du hast diesen Betrag nicht, dann brichst du Jesu Gebot nicht, wenn du ablehnst. Das Prinzip hier ist die Bereitschaft zu geben – nicht eine unrealistische Verpflichtung.

„Jeder gebe, wie er es sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Widerwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“
— 2. Korinther 9,7

  1. Motiv und Zweck sind Gott wichtig
    Selbst Gott erfüllt nicht jede Bitte, besonders wenn die Motive egoistisch oder schädlich sind.

„Ihr bittet und empfangt nicht, weil ihr verkehrt bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden.“
— Jakobus 4,3

„Und dies ist die Zuversicht, die wir zu ihm haben, dass, wenn wir etwas nach seinem Willen bitten, er uns hört.“
— 1. Johannes 5,14

Wenn Gott Bitten, die seinem Willen widersprechen, nicht erfüllt, sollten auch wir mit Weisheit entscheiden, wenn eine Bitte offensichtlich zu Sünde, Verantwortungslosigkeit oder Schaden führt – etwa zur Finanzierung von Sucht, illegalen Aktivitäten oder Götzendienst.

  1. Geben soll von Weisheit und verantwortungsvoller Verwaltung geleitet sein
    Jesus ruft uns dazu auf, weise Verwalter zu sein, nicht nur großzügige Geber. Während die Schrift Barmherzigkeit betont, lehrt sie uns auch, Bedürfnisse verantwortungsvoll einzuschätzen.

„Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft eure Perlen nicht vor die Säue, damit sie dieselben nicht zertreten und sich umwenden und euch zerreißen.“
— Matthäus 7,6

„Wer den Armen Gutes tut, leiht dem HERRN, und er wird ihm seine Wohltat vergelten.“
— Sprüche 19,17

Wir werden ermutigt, denen in wirklicher Not zu geben – besonders den Armen, der Witwe, dem Waisen und dem Fremden (vgl. 5. Mose 10,18; Jakobus 1,27) –, aber nicht Sünde, Faulheit oder zerstörerisches Verhalten zu unterstützen.

  1. Gewohnheitsmäßige Verantwortungslosigkeit sollte nicht belohnt werden
    Die Bibel warnt auch davor, Müßiggang oder Faulheit zu fördern.

„Denn auch als wir bei euch waren, geboten wir euch dies: Wenn jemand nicht arbeiten will, soll er auch nicht essen.“
— 2. Thessalonicher 3,10

Wenn jemand wiederholt missbräuchlich mit deiner Hilfe umgeht oder sich weigert, sein verantwortungsloses Verhalten zu ändern, ist es nicht unbarmherzig, weitere Unterstützung zu verweigern. Denn schlechtes Verhalten zu fördern kann ihnen schaden und Gott entehren.

Was meinte Jesus also mit „Gib dem, der dich bittet“?
Jesus fordert uns nicht zu leichtfertigem Geben oder blindem Gehorsam auf. Er ruft uns vielmehr dazu auf:

  • Ein großzügiges, selbstloses Herz zu entwickeln
  • Frei von Gier und Angst vor Mangel zu sein
  • Offenherzig denen gegenüber zu sein, die wirklich in Not sind
  • Nicht aus Selbstsucht oder Urteilssucht die Hilfe zu verweigern

Wenn jemand mit reinen Motiven und echtem Bedarf bittet und du helfen kannst, solltest du ihn nicht abweisen. Es ist eine Sünde der Selbstsucht, wenn du das tust.

„Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat und sieht seinen Bruder Mangel leiden und verschließt sein Herz vor ihm, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm?“
— 1. Johannes 3,17

„Hütet euch und bewahrt euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat.“
— Lukas 12,15

Fazit: Unterscheidung + Großzügigkeit = biblisches Geben
Jesus ruft uns zu Großzügigkeit, aber auch zu Weisheit. Geben ohne Liebe ist bedeutungslos (1. Korinther 13,3), aber geben ohne Weisheit kann schaden. Das Ziel ist, Gottes Herz widerzuspiegeln – voller Mitgefühl, Gerechtigkeit und Unterscheidung.

Wenn dich jemand um Hilfe bittet:

  • Bete
  • Unterscheide die Not
  • Prüfe deine Möglichkeiten
  • Gib großzügig – wenn es Gott ehrt und den Menschen segnet

Ermutigung zum Schluss
Wenn jemand wirklich Hilfe braucht und du in der Lage bist, sie zu geben, weise ihn nicht ab. Vielleicht hat Gott ihn gerade zu dir geführt – für diesen Zeitpunkt, zu seinem und deinem geistlichen Wachstum.

„Wer sich des Armen erbarmt, der leiht dem HERRN, und er wird ihm seine Wohltat vergelten.“
— Sprüche 19,17

Möge der Herr uns Herzen schenken, die sowohl großzügig als auch weise sind.


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Über den Autor

Rehema Jonathan editor

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