Eines Tages begegnete ich auf einem Spaziergang einer Frau mit ihrem Kind. Sie sprach mich freundlich an und bat mich um 1.000 Schillinge, um mit dem Bus nach Chanika nach Hause fahren zu können. Zufällig hatte ich das Geld bei mir und gab es ihr. Es war eine kleine Geste der Nächstenliebe — unspektakulär, wie sie im Alltag oft vorkommt.
Kurz darauf stieg ich selbst in einen Bus. Plötzlich wurde mir bewusst, dass ich kein Bargeld mehr bei mir hatte. Als der Schaffner kam, um den Fahrpreis einzusammeln, durchsuchte ich nervös meine Taschen — vergeblich. Zwar hatte ich Guthaben auf meinem Handy, also erklärte ich ihm:„Ich habe im Moment kein Bargeld, aber am Busbahnhof kann ich Geld abheben und bezahlen.“
Er glaubte mir nicht. Sein Blick verriet deutliches Misstrauen — für ihn klang es nach einer Ausrede.
Ich begann unruhig zu werden. Meine Haltestelle lag noch vor dem Busbahnhof. Würde er wirklich warten, während ich Geld abhob? Wohl kaum.
In diesem Moment geschah etwas Unerwartetes. Ein junger Mann — jemand, dem man ansah, dass er selbst nicht viel besaß — holte 1.000 Schillinge hervor und reichte sie mir.„Nimm das“, sagte er leise. „Sonst bekommst du Ärger mit dem Schaffner.“
Ich wollte ablehnen und versicherte ihm, dass ich zahlen könne. Doch er bestand darauf. Er gab nicht aus Überfluss, sondern aus Mitgefühl.
Diese Begegnung ließ mich nicht los. Mir wurde klar, wie schnell sich Rollen ändern können. Wir neigen dazu zu glauben, dass nur die Bedürftigen Hilfe brauchen — dabei kann jeder von uns plötzlich selbst auf Hilfe angewiesen sein.
Nur wenige Minuten zuvor hatte ich einer Frau mit genau demselben Betrag geholfen. Nun war ich derjenige, der Hilfe empfing. Darin zeigt sich ein göttliches Prinzip: gegenseitige Abhängigkeit. Kein Mensch ist vollkommen unabhängig.
Die Bibel macht immer wieder deutlich, wie eng unser Leben miteinander verflochten ist. Der Apostel Paulus schreibt:
(Galater 6,2) Einer trage des anderen Last; so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.
(Galater 6,2)
Einer trage des anderen Last; so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.
Wir sind dazu berufen, einander zu tragen — nicht nur in außergewöhnlichen Krisen, sondern gerade auch im Alltäglichen. Die Hilfe, die wir heute geben, kann morgen die Hilfe sein, die wir selbst benötigen.
Vielleicht gehst du heute sicher durchs Leben — mit einem Auto, finanzieller Stabilität und guter Gesundheit. Doch all das ist nicht selbstverständlich und nicht von Dauer. Der Wind, der heute Rückenwind ist, kann sich morgen drehen. Der Prediger beschreibt es so:
Prediger 1,6 Der Wind weht nach Süden und dreht sich nach Norden; er dreht sich immerfort und kehrt auf seinem Lauf zurück.
Prediger 1,6
Der Wind weht nach Süden und dreht sich nach Norden; er dreht sich immerfort und kehrt auf seinem Lauf zurück.
Das Leben verläuft in Zyklen. Was wir heute besitzen, kann uns morgen fehlen. Man kann wohlhabend sein und dennoch Mangel erleben. Gesund sein und doch krank werden. Gebildet sein und sich dennoch hilflos fühlen.
Jesus selbst lebte diese Haltung radikaler Großzügigkeit. Er sagt:
Matthäus 25,40 Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.
Matthäus 25,40
Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.
Der junge Mann im Bus hat mir nicht einfach Geld gegeben — er hat mir im Geist Christi gedient. Er hat das Evangelium gelebt.
Diese Erfahrung erinnerte mich daran, dass wir Verwalter dessen sind, was uns anvertraut wurde — nicht Eigentümer. Gott segnet uns, damit wir zum Segen für andere werden:
1. Timotheus 6,18 Man ermahne sie, Gutes zu tun, reich zu sein an guten Werken, freigebig und bereit zu teilen.
1. Timotheus 6,18
Man ermahne sie, Gutes zu tun, reich zu sein an guten Werken, freigebig und bereit zu teilen.
Wir sollten uns nie darauf verlassen, dass unsere heutige Sicherheit uns über die Bedürfnisse anderer erhebt. Geistliche Reife zeigt sich in Demut — in der Erkenntnis, dass alles, was wir haben, Gnade ist.
Mögen Stolz und vermeintliche Selbstgenügsamkeit uns niemals davon abhalten, anderen zu helfen. Lasst uns schnell bereit sein zu geben, langsam im Urteilen und offen im Dienen — denn eines Tages könnten wir selbst auf eine helfende Hand angewiesen sein.
Matthäus 5,7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Matthäus 5,7
Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Möge der Herr uns lehren, demütig miteinander zu leben, ohne Zögern Liebe zu zeigen und verantwortungsvoll mit dem umzugehen, was er uns anvertraut hat. Mögen wir Menschen sein, die das Herz Christi widerspiegeln — bereit zu geben, auch wenn es unbequem ist, im Vertrauen darauf, dass Gott für uns sorgt, während wir für andere da sind.
Schalom.
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