War Judas laut Johannes 6,70 ein Teufel?

War Judas laut Johannes 6,70 ein Teufel?

Frage:

Warum sagte Jesus, dass Judas Iskariot in Johannes 6,70 „ein Teufel“ sei? Wenn Jesus das wusste, warum wählte er Judas dann als einen seiner zwölf Jünger aus?

Antwort:

Schauen wir uns zunächst den betreffenden Vers an:

Johannes 6,70–71 (LUT 2017)
„Jesus antwortete ihnen: Habe ich nicht die Zwölf erwählt? Und doch ist einer unter euch ein Teufel.“ Er sprach von Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, denn dieser, einer der Zwölf, sollte ihn verraten.

Auf den ersten Blick erscheint das verwirrend: Warum würde Jesus bewusst jemanden wählen, den er „Teufel“ nennt? Bedeutet das, dass Judas der Satan in Person war? Theologisch und biblisch lautet die Antwort nein. Werfen wir einen genaueren Blick darauf.


1. Was bedeutet „Teufel“ hier?

Als Jesus Judas „Teufel“ nannte, meinte er nicht, dass Judas buchstäblich Satan sei. Das griechische Wort diabolos kann „Verleumder“, „Ankläger“ oder jemand unter satanischem Einfluss bedeuten. Jesus sprach hier bildlich, um Judas’ geistliche Verfassung und moralischen Zustand zu beschreiben.

Diese Art von bildhafter Sprache ist typisch für Jesus. So nannte er z. B. Herodes Antipas einen „Fuchs“:

Lukas 13,31–32 (LUT 2017)
„Zu derselben Stunde kamen einige Pharisäer zu ihm und sagten: Gehe von hier weg; denn Herodes will dich töten. Er aber sprach zu ihnen: Geht hin und sagt diesem Fuchs: Siehe, ich treibe Dämonen aus und vollbringe Heilungen heute und morgen, und am dritten Tag habe ich mein Werk vollendet.“

Hier wollte Jesus nicht sagen, dass Herodes ein Tier war, sondern dass er listig und hinterhältig handelte – Eigenschaften, die man einem Fuchs zuschreibt.


2. Judas’ Herz und der Einfluss Satans

Judas war nicht Satan, aber er ließ zu, dass satanischer Einfluss sein Leben bestimmte. Dies wird deutlich im Lukasevangelium:

Lukas 22,3–4 (LUT 2017)
„Da fuhr der Satan in Judas, genannt Iskariot, der zu den Zwölfen gehörte. Er ging hin und beriet sich mit den Hohenpriestern und Oberen, wie er ihn an sie verraten könnte.“

Dieser Vers zeigt: Judas’ Verrat war nicht nur eine menschliche Entscheidung, sondern von dämonischem Einfluss geprägt. Judas gab Satan Raum in seinem Herzen, was schließlich zu seinem Verrat führte.


3. Auch Petrus wurde als „Satan“ zurechtgewiesen

Ein ähnliches Prinzip zeigt sich, als Jesus Petrus zurechtwies: Petrus war nicht Satan, aber seine Worte standen in diesem Moment im Einklang mit Satans Plänen:

Matthäus 16,22–23 (LUT 2017)
„Da nahm Petrus ihn beiseite und begann, ihn zu tadeln: Gott bewahre dich, Herr! Das widerfahre dir nicht! Jesus aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Weiche von mir, Satan! Du bist mir ein Ärgernis; denn du denkst nicht, was Gottes, sondern was der Menschen ist.“

Jesus verurteilte Petrus also nicht als Satan in Person, sondern die Denkweise, die Gottes Heilsplan behindert.


4. Warum wählte Jesus Judas aus?

Warum sollte Jesus jemanden wählen, von dem er wusste, dass er ihn verraten würde?

Die Antwort liegt in Gottes souveränem Plan und der Erfüllung der Schrift. Judas’ Verrat war vorausgesehen und prophetisch bestimmt:

Johannes 13,18 (LUT 2017)
„Ich rede nicht von euch allen; ich weiß, wen ich erwählt habe. Aber damit die Schrift erfüllt wird: ‚Der mit mir das Brot isst, hat seine Ferse gegen mich erhoben.‘“

Psalm 41,10 (LUT 2017)
„Auch mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot aß, hat seine Ferse gegen mich erhoben.“

Die Wahl von Judas war also kein Zufall, sondern Teil des göttlichen Heilsplans. Selbst sein Verrat diente letztlich der Erlösung der Menschheit.


5. Wachsamkeit gegen den Geist des Verrats

Die Geschichte von Judas erinnert uns daran, dass Nähe zu Jesus (unter den Zwölf sein) nicht automatisch geistliche Treue bedeutet. Satan kann jeden ausnutzen, der Schwächen öffnet – durch Gier, Ehrgeiz oder Zweifel.

Paulus mahnt uns:

2. Korinther 11,14–15 (LUT 2017)
„Und das ist kein Wunder; denn der Satan selbst verkleidet sich als Engel des Lichts. Darum ist es auch nicht erstaunlich, wenn seine Diener sich als Diener der Gerechtigkeit verkleiden.“

Daher sind Gläubige aufgefordert, ihr Herz stets zu prüfen:

2. Korinther 13,5 (LUT 2017)
„Prüft euch selbst, ob ihr im Glauben seid; prüft euch selbst.“

Und wir sollen täglich Selbstverleugnung und Nachfolge Christi praktizieren:

Matthäus 16,24–25 (LUT 2017)
„Dann sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn jemand mir nachfolgen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.“


Fazit:

  • Judas war nicht der Teufel in Person, sondern ein Mensch, der dem Teufel Einfluss gewährte.
  • Jesus verwendete den Begriff „Teufel“ symbolisch, um Judas’ geistlichen Zustand zu beschreiben.
  • Judas’ Verrat erfüllte die Prophezeiung und diente dem göttlichen Heilsplan.
  • Dasselbe Prinzip des satanischen Einflusses kann jeden treffen, der im Glauben unachtsam ist.
  • Wahre Nachfolge bedeutet, Herz und Gedanken auf Gottes Willen auszurichten und täglich in Gehorsam zu leben.

Möge der Herr uns die Gnade schenken, treu und geistlich wachsam zu bleiben, damit wir im Geist der Wahrheit und Hingabe an Christus wandeln – nicht im Geist des Verrats.


 

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Über den Autor

Doreen Kajulu editor

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