(Mose 25,4 – Lutherbibel 2017)
Der Ausdruck „Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden“ bedeutet, dass der arbeitende Ochse – der beim Dreschen das Korn vom Spreu trennt – nicht daran gehindert werden soll, ein wenig von dem Korn zu fressen, während er arbeitet. Beim Dreschen gingen in der damaligen Zeit oft Körner verloren, die auf dem Boden lagen; das Gesetz wollte sicherstellen, dass der Ochse von diesen Körnern essen durfte.
Dieses Gebot gilt nicht nur für Tiere, sondern hat auch eine tiefere ethische Bedeutung: Wer hart arbeitet, soll einen gerechten Anteil an den Früchten seiner Arbeit bekommen. Diese Fürsorge Gottes erstreckt sich auf alle Geschöpfe – und soll uns zeigen, wie wir mit anderen umgehen sollen.
Im Alten Testament unterstreicht dieses Gesetz Gerechtigkeit und Mitgefühl, sogar im Umgang mit Tieren. Es zeigt, dass Gott sich um das Wohl aller seiner Geschöpfe sorgt und dass harte Arbeit nicht umsonst sein soll.
Paulus greift diese Stelle im Neuen Testament auf, um sie auf den Dienst des Evangeliums anzuwenden. Er schreibt in 1. Korinther 9,9–14 (Lutherbibel 2017):
*„Denn im Gesetz des Mose steht geschrieben: ›Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden.‹ (…) Wer pflügt, soll auf Hoffnung pflügen; und wer drischt, soll in der Hoffnung dreschen, dass er seinen Teil empfangen wird. … Ebenso hat der Herr befohlen, dass die, die das Evangelium verkündigen, vom Evangelium leben sollen.“
Paulus macht klar: So wie der Ochse während seiner Arbeit fressen darf, so sollen die Verkündiger des Evangeliums unterstützt werden – nicht nur geistlich, sondern auch materiell durch die Gemeinschaft, der sie dienen.
Gott wollte zeigen, dass Gerechtigkeit und Fürsorge grundlegende Prinzipien seines Handelns sind – selbst in scheinbar kleinen Dingen wie dem Dreschen von Getreide. Wenn selbst der arbeitende Ochse nicht seines Anteils beraubt werden soll, wie viel mehr gilt das für Menschen, die für andere arbeiten oder dienen!
Paulus geht im Neuen Testament noch einen Schritt weiter: Er argumentiert, dass diejenigen, die im geistlichen Dienst stehen, ebenfalls Unterstützung verdienen. In 1. Timotheus 5,18 (Lutherbibel 2017) heißt es dazu:
*„Denn die Schrift sagt: ›Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden‹, und: ›Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert.‹“
Diese Worte machen deutlich: Unterstützung für Diener des Wortes ist kein bloßer Vorschlag, sondern ein gerechtes und biblisches Prinzip. Dass der Diener auch materiell versorgt wird, entspricht dem Willen Gottes.
Dieses Prinzip ist auch für Christen heute relevant:
Schon im Alten Testament heißt es in Sprüche 12,10:
*„Der Gerechte sorgt für das Leben seines Viehs, aber das Herz der Gottlosen ist grausam.“
Das unterstreicht: Mitgefühl und Fürsorge sind Zeichen eines gerechten Herzens – nicht nur gegenüber Tieren, sondern besonders gegenüber Menschen, die uns dienen, lehren oder begleiten.
Der Befehl, dem Ochsen beim Dreschen das Maul nicht zu verbinden, ist mehr als eine landwirtschaftliche Vorschrift – er ist ein Lehrstück über Gerechtigkeit, Fairness und Mitgefühl.
Er zeigt:
Wie Paulus in 1. Timotheus 5,18 zusammenfasst:
*„Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert.“
Das ist ein Ruf zu Großzügigkeit, Gerechtigkeit und biblischer Verantwortung
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