Was ist Aramäisch, und hat Jesus es gesprochen?

Was ist Aramäisch, und hat Jesus es gesprochen?

Beim Studium der Bibel stellt man fest, dass drei Hauptsprachen in ihrer Entstehung eine Rolle gespielt haben: Hebräisch, Griechisch und Aramäisch.

Der Großteil des Alten Testaments wurde in Hebräisch verfasst, der heiligen Sprache des Volkes Israel.
Einige kleinere Abschnitte – insbesondere in den Büchern Esra und Daniel – stehen in Aramäisch (z. B. Esra 4,8–6,18; Daniel 2,4–7,28).
Das Neue Testament wurde ursprünglich in Griechisch geschrieben, der damaligen internationalen Verkehrssprache, enthält aber einige aramäische Wörter und Ausdrücke, die im Text ausdrücklich stehen (z. B. „Talitha kum“, „Ephphatha“ oder „Eloi, Eloi …“). (Bibelstudium)

Das zeigt: Aramäisch ist in der Bibel enthalten, spielt aber keine dominierende Rolle gegenüber den Hauptsprachen Hebräisch und Griechisch.


Ursprung und Verbreitung des Aramäischen

Aramäisch entstand bei den Aramäern, einem alten semitischen Volk. Ihre Sprache verbreitete sich weiträumig und wurde schließlich in vielen Teilen des Alten Orients zur Lingua franca, also zur gemeinsamen Verkehrssprache – in Regionen, die heute zu Libanon, Syrien, Jordanien, Irak und der Türkei gehören.

Während der Zeit der assyrischen und persischen Reiche gewann Aramäisch besondere Bedeutung – es wurde sowohl in Verwaltung als auch im Alltag weit verbreitet. (Bibelbund)

Im 1. Jahrhundert n. Chr. war Aramäisch die gesprochene Alltagssprache der meisten Juden in Galiläa und Judäa, darunter auch in der Heimatstadt Jesu, Nazareth. Hebräisch blieb weiterhin die Sprache der Schrift und des Synagogengottesdienstes, aber Aramäisch war die Sprache des Volkes im täglichen Leben.


Hat Jesus Aramäisch gesprochen?

Ja. Jesus sprach Aramäisch als seine Hauptsprache. Zusätzlich verstand er sicher Hebräisch für religiöse Texte (z. B. beim Lesen der Tora – Lukas 4,16–20), und es ist wahrscheinlich, dass er auch etwas Griechisch verstand, was hilfreich im Umgang mit römischen Behörden oder Nichtjuden gewesen wäre.

Dass Jesus Aramäisch sprach, sieht man daran, dass im Neuen Testament einige seiner Worte im Original überliefert sind. Die Evangelien geben diese Ausdrücke nicht nur in griechischer Übersetzung wieder, sondern stehen im Text genau so, wie sie Jesus gesagt hat – nämlich als aramäische Worte mit deutscher Bedeutung: (Bibelstudium)

  • Markus 5,41: „Und er nahm sie bei der Hand und sagte zu ihr: Talitha kum! Das heißt übersetzt: ›Mädchen, ich sage dir: Steh auf!‹“ (schon so in vielen deutschen Bibeln wiedergegeben). (Jesus.ch)
  • Markus 7,34: „Und er blickte zum Himmel, seufzte und sprach zu ihm: Ephphatha! – das heißt: ›Werde geöffnet!‹“ (aramäischer Ausdruck). (Bibelstudium)
  • Markus 15,34: „Und um die neunte Stunde rief Jesus laut: Eloi, Eloi, lama sabachthani? – das heißt: ›Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?‹“ (Psalm‑Wort, das Jesus in seiner Sprache ausrief). (Bibel TV)

Weitere aramäische oder aramäisch‑hebräische Wörter, die im Neuen Testament vorkommen, sind zum Beispiel:

  • „Hosanna“ (z. B. Matthäus 21,9) – ein Ruf, der „rette jetzt“ oder „rette, wir bitten“ bedeutet. (Bibelstudium)
  • „Abba“ (Markus 14,36) – ein inniges Wort für „Vater“, das Jesu persönliche Beziehung zu Gott zeigt. (Bibelbund)

Warum hat Jesus Aramäisch benutzt?

Wichtig ist zu verstehen: Die Kraft lag nicht in der Sprache, sondern in Jesu Leben und Wirken im Heiligen Geist.

Jesus nutzte Aramäisch in besonderen Momenten – nicht, weil es geistlich „stärker“ wäre als Hebräisch oder Griechisch, sondern weil er in gehorsamer Abhängigkeit vom Heiligen Geist lebte.

Johannes 5,19 sagt:

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur das, was er den Vater tun sieht…“

Das heißt: Wenn Jesus heilte, lehrte oder betete, folgte er nicht einer festen Formel, sondern der Führung des Geistes Gottes. Manchmal sprach er Aramäisch, manchmal berührte er Menschen, manchmal nutzte er andere Zeichen – doch sein Handeln war immer vom Geist geleitet.

Römer 8,14 erklärt:

„Denn alle, die vom Geist Gottes geleitet werden, sind Söhne Gottes.“

So sind auch wir heute als Gläubige nicht berufen, bestimmte Methoden nachzuahmen, sondern dem Geist zu folgen, der Jesus geleitet hat – sei es im Gebet mit Verstehen, im Gesang, in Tränen oder im Reden in Zungen. Entscheidend ist, dass wir vom Geist Gottes geführt sind.

Sacharja 4,6 sagt:

„…sondern durch meinen Geist, spricht der HERR Zebaoth.“

Jesus war völlig abhängig vom Heiligen Geist – und das gilt auch für uns. Wenn wir zulassen, dass der Geist uns erfüllt und leitet, wird Gott durch uns auf vielfältige Weise wirken, jeweils gemäß seinem vollkommenen Willen.

1. Korinther 12,11:

„Dies alles aber wirkt ein und derselbe Geist und teilt einem jeden zu, wie er will.“


Fazit

Ja – Jesus hat Aramäisch gesprochen, und einige seiner stärksten Worte sind in dieser Sprache überliefert. Aber die wahre Macht lag nicht in den Worten selbst – sie lag in seiner vollendeten Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist.

Als Nachfolger Christi sind wir berufen, genauso zu leben: geführt, erfüllt und befähigt vom Heiligen Geist, nicht gebunden an Rituale oder Formeln, sondern in lebendiger Beziehung zu unserem Gott.

Galater 5,25:

„Wenn wir im Geist leben, so lasst uns dem Geist auch folgen.“

Möge der Herr dich segnen, während du suchst, im Geist zu wandeln – genauso wie Jesus es tat.

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Über den Autor

Ester yusufu editor

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