ANTWORT:
Nachdem Eva Gott ungehorsam war und die verbotene Frucht gegessen hatte, sprach Gott Urteile über die Schlange, die Frau und den Mann aus. Für die Frau lautete eine der Konsequenzen:
„Und zu der Frau sprach er: Ich will die Mühsal deiner Schwangerschaft sehr mehren; mit Schmerzen wirst du Kinder gebären. Dein Verlangen wird nach deinem Mann sein, er aber wird über dich herrschen.“ — Genesis 3,16
Auf den ersten Blick könnte dies wie romantische Sehnsucht oder Zuneigung erscheinen. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass es um etwas viel Komplexeres geht: ein Verlangen nach Kontrolle, das zu Machtkämpfen innerhalb der Ehe führt.
Als Satan Eva in Genesis 3,5 versuchte, sprach er ihre Ambitionen an:
„Denn Gott weiß: An dem Tag, da ihr davon esst, werden eure Augen geöffnet, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.“ — Genesis 3,5
Die Versuchung weckte in ihr das Verlangen, über ihre von Gott gegebene Stellung hinauszugehen – nach Weisheit, Macht und Unabhängigkeit von Gottes Gebot zu streben. Theologisch gesehen spiegelt dies die Sünde des Stolzes wider, die Wurzel vieler anderer Sünden ist (Jesaja 14,12–14; Sprüche 16,18). Das Verlangen, „wie Gott zu sein“, betrifft nicht nur Wissen, sondern Selbstherrschaft und Kontrolle.
Adam hingegen, obwohl zuerst geschaffen (1. Timotheus 2,13), zeigte diese Ambition nicht. Sein Versagen lag in Passivität, nicht in Stolz. Für Eva jedoch wurde das Streben nach Autonomie und Dominanz zentral – und genau darauf bezog sich Gottes Aussage: „Dein Verlangen wird nach deinem Mann sein.“
Das hebräische Wort für „Verlangen“ hier ist „teshuqah“, das nur selten in der Bibel vorkommt. Ein wichtiger Vergleich findet sich in Genesis 4,7, wo Gott zu Kain spricht:
„Ist es nicht so: Wenn du Gutes tust, herrscht es über dich? Wenn du aber Böses tust, lauert die Sünde an der Tür; nach dir hat sie Verlangen, du aber sollst über sie herrschen.“ — Genesis 4,7
In beiden Fällen deutet „Verlangen“ auf ein dominantes, kontrollierendes Streben hin, und „herrschen“ auf einen Konflikt um Autorität. Das zeigt deutlich: Das Verlangen in Genesis 3,16 ist nicht Zuneigung, sondern ein Machtstreben innerhalb der Beziehung.
Dieser Vers markiert den Beginn gestörter Beziehungen zwischen Mann und Frau – eine Verzerrung von Gottes ursprünglichem Plan (Genesis 2,18–25). Die Frau möchte kontrollieren, der Mann dominiert – oft streng. Dies war nicht Gottes ursprüngliche Absicht, sondern die Folge der Sünde.
Wichtig ist: Genesis 3,16 beschreibt den gefallenen Zustand, sie gibt keine Vorschrift, wie Beziehungen sein sollten. Es ist kein göttlicher Auftrag, dass Männer Frauen mit Zwang beherrschen – es zeigt lediglich, was geschieht, wenn Sünde Beziehungen regiert.
Im Neuen Testament finden wir hingegen ein erlöstes Ehemodell in Jesus Christus:
„Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie hingegeben.“ — Epheser 5,25
„Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn.“ — Epheser 5,22
Dies ist keine Unterdrückung, sondern gegenseitige Hingabe unter Christus (vgl. Epheser 5,21). Männer sollen in Liebe und Selbstaufopferung führen, nicht durch Dominanz. Frauen sollen in Demut und Vertrauen folgen, nicht aus Angst.
Durch Jesus sind wir nicht länger Sklaven der Folgen der Sünde. Christus wurde ein Fluch für uns, damit wir frei vom Fluch des Falls sind:
„Christus hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist …“ — Galater 3,13
Das bedeutet: In christlichen Ehen kann das Muster des Machtkampfes durchbrochen werden. Männer herrschen nicht mehr mit Zwang, Frauen kämpfen nicht mehr um Kontrolle. Stattdessen dienen sich beide gegenseitig in Liebe und Ehrfurcht vor Christus.
„Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Sklave noch Freier, da ist weder Mann noch Frau; denn ihr seid alle einer in Christus Jesus.“ — Galater 3,28
Dieser Vers beseitigt nicht die Geschlechterrollen, sondern stellt Würde, Gleichwertigkeit und Einheit in Christus wieder her und entfernt die Konflikte, die durch die Sünde entstanden sind.
Als Gott sagte: „Dein Verlangen wird nach deinem Mann sein, und er wird über dich herrschen“, beschrieb er die zerbrochenen Dynamiken nach dem Sündenfall. Durch das Evangelium Christi sind wir jedoch zu etwas Besserem eingeladen – zu einer Ehe, die auf Gnade, Liebe und dienender Führung basiert, modellhaft nach Christus und seiner Gemeinde.
In Christus wird der Fluch überwunden, und echte Einheit zwischen Mann und Frau kann wiederhergestellt werden.
Sei gesegnet. — Bibelstellen: Genesis 3,16; Epheser 5; Galater 3,13 & 28
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