Soll unser Licht scheinen – oder nicht?

Soll unser Licht scheinen – oder nicht?

Matthäus 5,16 und Matthäus 6,1 richtig verstehen

Die Fragestellung

In Matthäus 5,16 fordert Jesus uns auf, unser Licht vor den Menschen leuchten zu lassen.
Doch nur ein Kapitel später warnt er in Matthäus 6,1 davor, unsere guten Werke vor den Menschen zu tun, um von ihnen gesehen zu werden.

Auf den ersten Blick scheint das widersprüchlich zu sein.
Sollen Christen ihre guten Werke also sichtbar tun – oder lieber im Verborgenen?

Der Zusammenhang ist entscheidend

Schauen wir uns zunächst Matthäus 5,14–16 an:

Matthäus 5,14–16 (Lutherbibel 2017)

„Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein.
Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind.
So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“

Hier ruft Jesus seine Nachfolger dazu auf, ein Leben zu führen, das Gottes Wesen widerspiegelt. Das „Licht“ steht für ein sichtbares Leben in Gerechtigkeit, Liebe und Wahrheit. Ziel ist nicht Selbstdarstellung, sondern dass Menschen durch unser Leben Gott verherrlichen.

Es geht darum, den Charakter Christi sichtbar werden zu lassen (vgl. Philipper 2,15:

„… unter denen ihr scheint als Lichter in der Welt“).

Jesu Warnung in Matthäus 6

Nun lesen wir Matthäus 6,1–2:

Matthäus 6,1–2 (Lutherbibel 2017)

„Habt Acht auf eure Frömmigkeit, dass ihr die nicht übt vor den Leuten, um von ihnen gesehen zu werden; ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel.
Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen lassen, wie es die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Gassen, damit sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.“

Hier kritisiert Jesus nicht das gute Werk an sich, sondern die Motivation dahinter.
Das Problem ist Stolz und Heuchelei – der Wunsch, Anerkennung und Ehre von Menschen zu bekommen, statt Gott die Ehre zu geben.

Kein Widerspruch – sondern zwei Herzenshaltungen

Diese beiden Aussagen Jesu widersprechen sich nicht, sondern ergänzen sich:

  • Matthäus 5 spricht von einem sichtbaren Glaubensleben, das Menschen zu Gott hinführt.
  • Matthäus 6 warnt vor religiösem Handeln, das aus Selbstverherrlichung geschieht.

In der Bibel zählt nicht nur das, was wir tun, sondern warum wir es tun.
Gott sieht das Herz (1. Samuel 16,7), und Gerechtigkeit ohne Demut ist vor ihm wertlos (vgl. Jesaja 64,5:

„alle unsere Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid“).

Paulus fasst dieses Prinzip klar zusammen:

1. Korinther 10,31

„Ob ihr nun esst oder trinkt oder was ihr auch tut, das tut alles zu Gottes Ehre.“

Wahres christliches Leben weist immer nach oben – auf Gott – und nicht auf uns selbst.

Ein warnendes Beispiel: Herodes

Ein eindrückliches Beispiel finden wir in Apostelgeschichte 12,20–23.
König Herodes hielt eine öffentliche Rede, und das Volk rief:

„Das ist Gottes Stimme und nicht eines Menschen!“

Herodes nahm diese Ehre für sich an, statt sie Gott zu geben.

Apostelgeschichte 12,23 (Lutherbibel 2017)

„Alsbald aber schlug ihn der Engel des Herrn, weil er Gott nicht die Ehre gab; und von Würmern zerfressen gab er den Geist auf.“

Das zeigt, wie ernst Gott es nimmt, wenn ihm die Ehre geraubt wird. Gute Werke oder Begabungen, die zur Selbstverherrlichung benutzt werden, sind keine echte Gerechtigkeit – sie sind geistliche Täuschung.

Lass dein Licht scheinen – zur Ehre Gottes

Zwischen Matthäus 5,16 und Matthäus 6,1 besteht kein Widerspruch, wenn wir das Grundprinzip verstehen:

Nicht die Sichtbarkeit ist das Problem – sondern die Motivation.

Wenn dein Ziel ist, Gott zu verherrlichen, dann lass dein Licht leuchten!
Diene anderen, tue Gutes, sprich die Wahrheit – damit Menschen Christus in dir erkennen.

Wenn dein Ziel jedoch deine eigene Ehre ist, wird selbst eine gute Tat zur geistlichen Falle.

Wir sind berufen, Gottes Licht widerzuspiegeln, nicht unser eigenes Rampenlicht zu suchen.

Stelle dir deshalb regelmäßig diese Fragen:

  • Geht es darum, Gott bekannt zu machen – oder mich selbst?
  • Würde ich das auch tun, wenn es niemand sieht außer Gott?

Wenn es um Gottes Ehre geht, dann handle mutig und entschlossen.
Wenn es um deine eigene Ehre geht, kehre um und richte dein Herz neu aus.

Kolosser 3,17 (Lutherbibel 2017)

„Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.“

(Der Herr kommt bald!)

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Über den Autor

Ester yusufu editor

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