„… und macht ihn zu einem doppelt so großen Kind der Hölle, wie ihr selbst seid.“
Matthäus 23,15 (ESV):„Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Denn ihr durchzieht Meer und Land, um einen einzigen Proselyten zu gewinnen; und wenn er es geworden ist, macht ihr ihn zu einem doppelt so großen Kind der Hölle, wie ihr selbst seid.“
Jesus beginnt diese ernste Warnung, indem er den außergewöhnlichen religiösen Eifer der Schriftgelehrten und Pharisäer anerkennt. Sie scheuten weder Mühe noch Entfernung und waren bereit, über Meere und Länder zu reisen, um Menschen für ihren Glauben zu gewinnen. In der jüdischen Geschichte handelte es sich bei solchen Proselyten häufig um Heiden, die das jüdische Gesetz und seine Traditionen annahmen.
Doch Jesus kritisiert nicht den missionarischen Einsatz an sich. Die Bibel lobt Eifer, wenn er in der Wahrheit gegründet ist (vgl. Römer 10,2: „Denn ich bezeuge ihnen, dass sie Eifer für Gott haben, aber nicht nach Erkenntnis“). Jesu scharfe Kritik richtet sich vielmehr gegen den Inhalt und die Ausrichtung ihrer Lehre.
Die Pharisäer vermittelten ein verzerrtes Verständnis von Gerechtigkeit. Sie betonten äußeren Gehorsam, Gesetzlichkeit und religiöse Leistung, vernachlässigten jedoch das, was im Gesetz wirklich Gewicht hat.
Matthäus 23,23:„Ihr verzehntet Minze, Dill und Kümmel und habt das Wichtigere im Gesetz vernachlässigt: Recht, Barmherzigkeit und Treue.“
Ihre Lehre reduzierte das Heil auf das Einhalten von Regeln, Traditionen und äußeren Handlungen, statt auf Buße, Glauben, Demut und eine lebendige Beziehung zu Gott. Eine solche Religion fördert Stolz und Selbstgerechtigkeit – nicht aber eine echte Erneuerung des Herzens.
Der Ausdruck „Kind der Hölle“ bezieht sich auf den griechischen Begriff Gehenna, der für das endgültige Gericht und die ewige Trennung von Gott steht. Jesus macht deutlich, dass die Bekehrten am Ende tiefer in geistlicher Verblendung gefangen waren als ihre Lehrer.
Das geschieht aus mehreren Gründen:
Neubekehrte entwickeln oft einen übersteigerten Eifer, um ihre Zugehörigkeit zu beweisen.
Eifer ohne Wahrheit führt nicht zu geistlichem Leben, sondern zu Verhärtung des Herzens.
Sie übernehmen nicht nur falsche Lehre, sondern häufig deren extremste und zerstörerischste Formen.
Dieses geistliche Prinzip begegnet uns auch an anderer Stelle:
2. Timotheus 3,13:„Böse Menschen aber und Betrüger werden immer schlimmer, indem sie verführen und selbst verführt werden.“
Der Apostel Paulus – damals noch Saulus von Tarsus – ist ein eindrückliches Beispiel für diese Dynamik. Er wurde als Pharisäer unter Gamaliel ausgebildet, einem der angesehensten Gesetzeslehrer seiner Zeit.
Apostelgeschichte 22,3:„Ich bin zu den Füßen Gamaliels erzogen worden nach der strengen Weise des Gesetzes unserer Väter.“
Doch sein fehlgeleiteter religiöser Eifer führte dazu, dass er sogar über seine Lehrer hinausging. Er verfolgte die Gemeinde mit Gewalt, ließ Gläubige verhaften und stimmte ihrem Tod zu.
Apostelgeschichte 8,3:„Saulus aber verwüstete die Gemeinde; er ging von Haus zu Haus, schleppte Männer und Frauen fort und ließ sie ins Gefängnis werfen.“
Dies zeigt eindrücklich, wie falsche religiöse Unterweisung Menschen hervorbringen kann, die extremer, schädlicher und zerstörerischer handeln als diejenigen, von denen sie gelernt haben.
Die Warnung aus Matthäus 23,15 beschränkt sich nicht auf das Judentum des ersten Jahrhunderts. Dasselbe Muster zeigt sich auch heute – in falschen Religionen, Sekten und verzerrten Formen christlicher Lehre. Nicht selten werden Anhänger starrer, liebloser und verurteilender als ihre Leiter, weil ihnen Wahrheit, Gnade und das Evangelium fehlen.
Johannes 8,32:„Und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“
Da die Schriftgelehrten und Pharisäer geistliche Leiter waren, trugen sie eine besondere Verantwortung.
Jakobus 3,1:„Werdet nicht viele Lehrer, meine Brüder, da ihr wisst, dass wir ein strengeres Urteil empfangen werden.“
Dies erklärt, warum Jesus betont, dass ihr Gericht schwerer sein wird als das anderer (vgl. Matthäus 23,14).
Matthäus 23,15 macht deutlich:
Eifer ohne Wahrheit ist gefährlich.
Falsche Religion vermehrt Schuld und Verurteilung.
Geistliche Leiter, die Gott falsch darstellen, führen andere tiefer in die Irre.
Wahre Gerechtigkeit entspringt Glauben, Barmherzigkeit, Demut und dem Gehorsam gegenüber Gottes Wahrheit.
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