DU WIRST EIN FLÜCHTLING UND EIN RUHELOSER AUF DER ERDE SEIN

DU WIRST EIN FLÜCHTLING UND EIN RUHELOSER AUF DER ERDE SEIN

Kain, nachdem er seinen Bruder Abel getötet hatte, lesen wir, dass Gott ihn verfluchte und zu ihm sprach:

„Wenn du den Acker bebauen wirst, soll er dir hinfort seinen Ertrag nicht geben; unstet und flüchtig sollst du sein auf Erden.“
( 4,12 – Lutherbibel 2017)

Doch wir sollten uns fragen: Warum hat Gott Kain nicht einfach mit dem gleichen Maß zurückgeschlagen, wie er es bei seinem Bruder getan hatte? Warum sagte Er stattdessen, dass er ein Flüchtling und ein Unsteter auf Erden sein würde?

Weiter lesen wir:

„Meine Strafe ist zu schwer, als dass ich sie tragen könnte.
Siehe, du treibst mich heute vom Acker, und ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen und muss unstet und flüchtig sein auf Erden. So wird mir’s gehen, dass mich totschlägt, wer mich findet.“

( 4,13–14 – Lutherbibel 2017)

Bruder, Schwester – es wäre besser, Gott nähme dein Leben, und es wäre beendet, als dass Er über dich spricht: „Du sollst ein Flüchtling und ein Ruheloser auf Erden sein.“

Man könnte dieses Urteil oberflächlich so deuten, dass Kain ein Leben in Armut führen würde – ohne festen Wohnsitz, ein Bettler, ein Obdachloser ohne Richtung oder Perspektive.

Doch genau das war nicht gemeint.

Wenn wir aufmerksam weiterlesen, erkennen wir, dass Kain nach seinem Weggang sogar großen äußeren Erfolg hatte – größer noch als die Nachkommen Sets, der an Abels Stelle trat. Kain baute eine Stadt und nannte sie nach dem Namen seines Sohnes Henoch ( 4,17). Seine Nachkommen waren stark und erfinderisch; bei ihnen finden wir die Anfänge von Metallverarbeitung wie Bronze und Eisen. Betrachtet man es rein äußerlich, war Kain also durchaus erfolgreich.

Und dennoch blieb das Wort des Herrn über ihm bestehen: Er sollte ein Flüchtling und ein Unsteter sein.

Was also meinte Gott?

Ein Mensch, der unstet und ohne Bleibe ist, hat keinen dauerhaften Ort der Ruhe. Eine der grundlegendsten Bedürfnisse des Menschen ist ein Zuhause – ein Ort, an dem man bleiben kann. Wer keinen festen Ort hat, lebt wie ein Fremder, ständig unterwegs, heute hier, morgen dort. Nirgends wirklich daheim.

Als Gott zu Kain sagte, er werde ein Flüchtling und ohne Bleibe sein, sprach Er über seinen inneren Zustand – seinen geistlichen Zustand. Kain würde sein Leben lang suchen, aber keine Ruhe für seine Seele finden. Er würde keine bleibende Herzensruhe erfahren. Wie eine Meereswelle, vom Wind hin und her getrieben, ohne festen Halt.

Ganz anders bei Set und seinen Nachkommen:

„Und Adam erkannte abermals seine Frau; und sie gebar einen Sohn, den nannte sie Set …
Und auch Set wurde ein Sohn geboren; den nannte er Enosch. Zu der Zeit fing man an, den Namen des HERRN anzurufen.“

( 4,25–26 – Lutherbibel 2017)

Sie erkannten früh, wo die wahre Ruhe zu finden ist. Sie suchten die bleibende Wohnstätte ihrer Seele bei Gott.

Doch Kains Nachkommen wanderten weiter rastlos durch die Welt. Dort entstanden Gottlosigkeit, Zauberei, moralischer Verfall und Weltlichkeit.

Auch heute noch erkennt man die „Nachkommen Kains“ und die „Nachkommen Sets“ an ihren Früchten. Beide Gruppen existieren weiterhin. Die eine hat erkannt, wo ihre ewige Heimat ist – es sind diejenigen, die Jesus Christus angenommen haben und die wahre Ruhe ihrer Seele gefunden haben.

Der Herr spricht:

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.
Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.
Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“

( 11,28–30 – Lutherbibel 2017)

Selbst in Bedrängnis, Not oder Leid bleiben sie standhaft, weil sie wissen, dass ihre ewige Heimat im Himmel ist. Sie fürchten das Leben nicht, denn Christus lebt in ihnen. Sein Friede regiert ihre Herzen.

Doch die anderen – wie Kain – suchen unaufhörlich nach Ruhe an den falschen Orten. Sie versuchen, Erfüllung in Besitz, Beziehungen oder Ruhm zu finden. Doch ihre Seelen bleiben unruhig, weil sie nicht erkennen, dass das Leben allein in Christus ist.

Die entscheidende Frage ist: Zu welcher Gruppe gehörst du?

Wenn du das Evangelium hörst und dich weigerst, ihm zu gehorchen, wenn dir die Freiheit in Jesus Christus verkündigt wird und du sie nicht annimmst, dann bedenke: Gott wird dich vielleicht nicht sofort richten. Er mag dich Erfolg haben lassen, Reichtum gewinnen lassen, berühmt werden lassen – vielleicht baust du „Städte“ wie Kain und erreichst große Dinge. Doch innerlich bleibst du ein Flüchtling und ein Ruheloser.

Eines Tages – nach dem Tod – wird sich zeigen, wo du stehst. Wenn andere zum ewigen Leben auferstehen und mit Christus in Herrlichkeit leben, wirst du keinen Ort der Ruhe haben, sondern fern von Gott sein.

Dies sind ernste Zeiten. Jeder Tag kann der letzte sein. Die Gelegenheit zur Umkehr ist jetzt.

Darum ist mein Gebet für dich: Tue heute Buße, wenn du noch außerhalb von Christus stehst. Du bist lange genug umhergeirrt. Jetzt ist die Zeit, in Christus deinen Anker zu werfen – denn Er ist unsere Wohnung und unsere wahre Ruhe.

Erinnere dich an das Gleichnis vom verlorenen Sohn
( 15,11–24).

Der Herr segne dich reichlich.

Maranatha!

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Über den Autor

Salome Kalitas editor

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