FRAGE:Was meinte der Apostel Paulus, als er sagte:„Seht, mit welchen großen Buchstaben ich euch mit meiner eigenen Hand geschrieben habe“?
ANTWORT:Um das zu verstehen, müssen wir kurz den Hintergrund des Galaterbriefes betrachten. Dieses Schreiben richtete Paulus an die Christen in Galatien, eine Gemeinde, die er selbst für Christus gegründet hatte.
Paulus war zu einem früheren Zeitpunkt von ihnen weggegangen. Doch von weitem erfuhr er, dass viele Galater ihren ursprünglichen Glauben an die Gnade und Freiheit in Christus verlassen hatten. Stattdessen nahmen sie wieder jüdische Gesetzesforderungen an, besonders die Beschneidung, und lebten nach anderen religiösen Vorschriften, die dem Evangelium widersprachen.
Paulus war darüber tief besorgt. Deshalb schrieb er ihnen diesen Brief — nicht nur als theologisches Lehrstück, sondern als leidenschaftliche Warnung. Er fragte sogar: Wer hat euch so verwirrt?
„O ihr unverständigen Galater, wer hat euch bezaubert, der ihr Christus Jesus, den Gekreuzigten, vor Augen gesetzt worden seid?“ (Gal 3,1 LUT)
Die Galater hatten den Heiligen Geist empfangen und waren auf dem richtigen Weg. Doch nun kehrten sie zu alten jüdischen Praktiken zurück und hielten mancherlei Vorschriften, die Paulus klar ablehnte.
Am Ende des Briefes, nach vielen leidenschaftlichen Ermahnungen, kommt Paulus zu seinem Schlusswort:
„Seht, mit welchen großen Buchstaben ich euch mit meiner eigenen Hand geschrieben habe!“ (Gal 6,11 LUT)
In der damaligen Zeit diktierte Paulus seine Briefe oft einem Sekretär oder Schreiber. Hier jedoch nahm er selbst den Stift in die Hand und schrieb den Schlussteil eigenhändig. Durch das größere und betonte Schreiben wollte er zeigen:
Dass ihm das, was er sagt, außerordentlich wichtig ist. Dass dies kein gewöhnlich diktiertes Schreiben ist, sondern eine persönliche, dringende Botschaft an die Galater. Dass die Warnung vor einem anderen Evangelium nicht leicht genommen werden darf.
Paulus betont, dass das Evangelium nicht durch äußere religiöse Regeln gilt, sondern allein durch den Glauben an Jesus Christus und die neue Schöpfung in ihm (Gal 6,15).
Paulus’ Warnung gilt nicht nur den Galatern damals, sondern hat auch heute Relevanz:
Wenn Menschen besondere Tage, Rituale oder Regeln höher bewerten als das Evangelium selbst, lenkt das ab vom Kern der Botschaft. Die Bibel sagt, dass unser wahrer „Siegel der Heiligkeit“ der Heilige Geist ist (z. B. Epheser 4,30 in der Lutherbibel: „Und seid des Heiligen Geistes dienlich, durch welchen ihr versiegelt seid…“ – übersetzt sinngemäß). Wenn jemand behauptet, bestimmte Speisen seien unrein oder notwendig für Gott, dann ist das laut Paulus eine Rückkehr zu einem anderen Evangelium.
Darum:Wir sind sicher, wenn wir uns an den Wortlaut und Sinn der Schrift halten — unabhängig davon, was einzelne Gemeinschaften oder Traditionen lehren.
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