Title Februar 2023

Warum wollte Thomas mit Lazarus sterben?(Johannes 11,14–16, Lutherbibel 2017)

Lassen Sie uns den Abschnitt sorgfältig betrachten:

Johannes 11,14–16:

Da sagte ihnen Jesus offen heraus: Lazarus ist gestorben;
und ich bin froh um euretwillen, dass ich nicht dort gewesen bin,
damit ihr glaubt. Aber lasst uns zu ihm gehen.
Da sprach Thomas, der Zwilling genannt wird, zu den anderen Jüngern:
Lasst uns mit ihm gehen, damit wir mit ihm sterben.

Auf den ersten Blick scheint es, als wolle Thomas mit Lazarus sterben. Doch das ist ein Missverständnis des Textes.

Thomas meinte nicht, dass er mit Lazarus sterben wolle. Vielmehr drückte er seine Bereitschaft aus, mit Jesus zu gehen – selbst wenn das bedeutete, mit ihm in den Tod zu gehen.


Kontext und theologische Bedeutung

Um Thomas’ Aussage vollständig zu verstehen, betrachten wir den weiteren Zusammenhang in Johannes 11,5–16:

Jesus liebte Martha, Maria und Lazarus (Johannes 11,5) – das zeigt die tiefen persönlichen Beziehungen, die er pflegte. Als Lazarus schwer erkrankte, zögerte Jesus zwei Tage lang mit dem Aufbruch (Johannes 11,6). Dies hatte einen größeren göttlichen Zweck: Gottes Herrlichkeit sollte durch das Wunder der Auferweckung des Lazarus offenbar werden (Johannes 11,4).

Als Jesus ankündigt, wieder nach Judäa zu gehen (Johannes 11,7), äußern die Jünger Angst – denn dort hatten Juden ihn zuvor zu steinigen versucht (Johannes 11,8). Jesu Antwort über das Wandeln im Licht oder in der Dunkelheit (Johannes 11,9–10) ist reich an theologischer Tiefe: Er selbst ist das Licht der Welt (Johannes 8,12), und wer ihm nachfolgt, wird nicht straucheln.

Jesus spricht von Lazarus, als ob er „schlafe“ (Johannes 11,11–13) – ein Bild für den Tod. Damit zeigt er, dass der Tod nicht das Ende ist, und dass er Macht über den Tod hat – ein zentraler christologischer Punkt, der auf Jesu Worte hinweist:

Johannes 11,25:

Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Wer an mich glaubt, der wird leben,
auch wenn er stirbt.

Als Jesus dann ganz offen sagt, dass Lazarus gestorben ist (Johannes 11,14), macht er deutlich, dass dies den Glauben der Jünger stärken soll (Johannes 11,15). Trotz der Gefahr besteht er darauf, nach Judäa zu gehen.


Thomas’ Reaktion und ihre Bedeutung

Thomas’ Bemerkung:

„Lasst uns mit ihm gehen, damit wir mit ihm sterben“
(Johannes 11,16)
spiegelt seine Treue und Bereitschaft wider, mit Jesus in die Gefahr zu gehen.

Theologisch gesehen zeigt diese Aussage mehrere bedeutende Punkte:

  • Glaube und Mut: Thomas zeigt eine Entschlossenheit, mit Jesus zu gehen, selbst in den Tod – ein Kennzeichen wahrer Jüngerschaft (Lukas 9,23). Dies weist auf die Bereitschaft zum Opfer hin, die Jesus später lehrt.
  • Missverständnis von Jesu Auftrag: Thomas – wie auch die anderen Jünger – verstand Jesu Sendung noch nicht vollständig. Er sah nur das Risiko des physischen Todes, nicht die kommende Herrlichkeit durch Jesu Tod und Auferstehung.
  • Vorausdeutung auf Jesu Passion: Thomas’ Worte spiegeln bereits den Weg wider, den die Jünger nach Jesu Verhaftung und Kreuzigung gehen werden (Johannes 13,36; Apostelgeschichte 7,54–60).

Eine Lektion in Abhängigkeit von Gottes Kraft

Thomas’ Bereitschaft steht im Kontrast zu Petrus’ späterem Versagen (Lukas 22,31–34) – ein Beispiel menschlicher Schwäche trotz guter Absichten. Das Neue Testament betont immer wieder: Unsere Kraft kommt nicht aus uns selbst, sondern aus Gottes Gnade:

2. Korinther 12,9–10:

Lass dir an meiner Gnade genügen;
denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
… Wenn ich schwach bin,
so bin ich stark.

Dieser Abschnitt fordert Gläubige dazu heraus, in Demut zu leben und sich nicht auf sich selbst, sondern auf Gottes Stärke zu verlassen. Echter Glaube bedeutet, unsere Begrenztheit anzuerkennen und Gott zu vertrauen – besonders angesichts von Leid und Tod.

Sei gesegnet!


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Gibt es Dinge, die Gott nicht tun kann – laut Richter 1,19?

Antwort: Lassen Sie uns diese Frage sorgfältig untersuchen, unter Verwendung der Lutherbibel 2017.

Richter 1,19 sagt:

„Und der HERR war mit Juda, sodass sie das Gebirge einnahmen. Aber sie konnten die Bewohner der Ebene nicht vertreiben, weil sie eiserne Wagen hatten.“

Auf den ersten Blick könnte dieser Vers eine Begrenzung von Gottes Macht andeuten. Doch die theologische Bedeutung ist tiefer: Gottes „Unfähigkeit“ in diesem Zusammenhang liegt nicht an einem Mangel an Allmacht, sondern hängt mit der menschlichen Reaktion zusammen – insbesondere dem Glauben und Gehorsam seines Volkes.

Um das besser zu verstehen, lesen wir den Zusammenhang von Richter 1,17–19:

„Und Juda zog hin mit seinem Bruder Simeon, und sie schlugen die Kanaaniter, die in Zephat wohnten, und vollstreckten den Bann an ihr. So nannte man die Stadt Horma.
Und Juda nahm Gaza samt seinem Gebiet ein und Aschkelon samt seinem Gebiet und Ekron samt seinem Gebiet.
Und der HERR war mit Juda, sodass sie das Gebirge einnahmen. Aber sie konnten die Bewohner der Ebene nicht vertreiben, weil sie eiserne Wagen hatten.“


Theologische Einsichten:

Gottes Gegenwart und menschlicher Glaube

Die Aussage „Der HERR war mit Juda“ bestätigt Gottes Beistand im Kampf. Gottes Macht ist unbegrenzt, aber seine Segnungen sind oft abhängig vom Glauben und Gehorsam seines Volkes (vgl. 5. Mose 11,26–28; Josua 1,7–9). Judas Zögern, gegen stärkere Gegner mit eisernen Wagen zu kämpfen, zeigt einen Mangel an Vertrauen in Gottes Verheißung (vgl. 4. Mose 13–14 für ähnliche Beispiele).

Eiserne Wagen als Symbol militärischer Überlegenheit

Die eisernen Wagen der Kanaaniter symbolisieren fortschrittliche Kriegstechnik und Macht (vgl. Richter 4,3; 1. Samuel 13,5). Für die Israeliten, die auf Gottes Hilfe angewiesen waren und keine überlegene Waffentechnik hatten, stellten diese Wagen eine große Herausforderung dar. Judas Angst zeigt, wie menschliche Furcht Gottes Eingreifen behindern kann.

Gottes Souveränität und menschliche Verantwortung

Gott ist allmächtig (vgl. Psalm 115,3; Jeremia 32,17), doch er handelt oft durch den Glauben und das Handeln der Menschen. Das Scheitern Judas lag nicht an Gottes Machtmangel, sondern an mangelndem Vertrauen. Hebräer 11,6 lehrt:

„Aber ohne Glauben ist’s unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, der muss glauben, dass er ist und dass er denen, die ihn suchen, ihren Lohn gibt.“

Die Rolle des Glaubens in Gottes Wirken

Jakobus 1,6–8 warnt vor zweifelndem Glauben:

„Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht; denn wer zweifelt, der gleicht einer Meereswoge, die vom Winde getrieben und bewegt wird.
Ein solcher Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen werde.
Ein Zweifler ist unbeständig auf allen seinen Wegen.“

Auch hier gilt: Gott handelt nicht im Namen derer, die ihm nicht völlig vertrauen.

Gott handelt nicht ohne den Glauben seines Bundesvolkes

Diese Begebenheit zeigt, dass Gottes Wunder und Siege oft abhängig vom Glauben seines Volkes sind. Er ist nicht machtlos, aber er respektiert den freien Willen des Menschen. Es ist eine biblische Wahrheit, dass Sünde und Ungehorsam Gottes Segen und Sieg verhindern können (vgl. Jesaja 59,1–2):

„Siehe, des HERRN Arm ist nicht zu kurz, dass er nicht helfen könnte, und seine Ohren sind nicht taub geworden, dass er nicht hören könnte;
sondern eure Verschuldungen scheiden euch von eurem Gott, und eure Sünden verbergen sein Angesicht vor euch, dass ihr nicht gehört werdet.“


Weitere Querverweise:

  • Josua 17,17–18 zeigt, dass trotz eiserner Wagen Gottes Volk vertrauen sollte, dass er ihre Feinde vertreibt.
  • 4. Mose 13,33 und Richter 4,3 dokumentieren weitere Fälle, in denen Israel aus Angst vor überlegenen Feinden Rückschläge erlitt.
  • Psalm 20,7 hebt den Unterschied hervor zwischen Vertrauen in Waffen und Vertrauen in Gott:

„Jene verlassen sich auf Wagen und Rosse; wir aber denken an den Namen des HERRN, unseres Gottes.“


Der Herr segne dich!


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KRANKHEITEN, DIE UNS IMMER WIEDER PLAGEN


1. Timotheus 5,23:
„Trinke von nun an nicht mehr nur Wasser, sondern nimm etwas Wein zu dir um deinetwillen und deiner oft auftretenden Krankheiten.“

Dies sind die Worte des Apostels Paulus an seinen geistlichen Sohn Timotheus. Auf den ersten Blick erscheinen sie vielleicht banal, doch bei genauerem Hinsehen erkennt man, wie sehr die Menschen damals Gott dienten, ohne sich von körperlichen Schwächen aufhalten zu lassen.

Wie wir lesen, war Timotheus ein sehr eifriger junger Mann, der vom Apostel Paulus beauftragt wurde, das Evangelium in großen Teilen der Welt zu verkünden. Doch dieser junge Mann war gesundheitlich keineswegs stark, wie man vielleicht denkt: Er litt unter Magenbeschwerden und darüber hinaus an immer wiederkehrenden Krankheiten, und das in seiner Jugend – nicht erst im Alter. Es wäre besser gewesen, wenn diese Krankheiten nur gelegentlich aufgetreten wären, doch sie kamen ständig zurück. Paulus lebte lange Zeit mit ihm zusammen und kannte ihn genau. Mal war er gesund, am nächsten Tag krank, diese Woche ging es ihm gut, nächste Woche plagten ihn starke Bauchschmerzen.

Trotz all dem war er nicht wie Dema, der Paulus verlassen hatte und der Welt den Rücken gekehrt hatte. Timotheus setzte seinen Dienst für den Herrn fort, trotz seiner körperlichen Schwächen. Er war der einzige, dem Paulus mit gutem Gewissen seine Arbeit anvertrauen konnte, damit sie auf Erden weiterging. Er war wie Elisa für Elija.

Am Ende seines Dienstes schreibt Paulus ihm diesen Brief und ermahnt ihn, nicht nur Wasser zu trinken, sondern auch etwas Wein, wegen seiner häufigen Krankheiten. Paulus gibt ihm hier einen medizinischen Rat, neben dem geistlichen, denn damals wurde Wein auch als Heilmittel für gewisse Leiden verwendet. Heute gibt es natürlich moderne Medikamente in Krankenhäusern. Du kannst dich fragen: Paulus, dem Gott durch viele Wunder und Zeichen besondere Macht verlieh, hätte doch einfach seine Hände auflegen und diese häufigen Krankheiten austreiben können. Doch er wusste, dass nicht immer alles sofort heilt. Manchmal erlaubt Gott Leiden aus bestimmten Gründen.

So wie Elisa, der von einer Krankheit gequält wurde, die ihn fast tötete, doch Gott nie verließ und weiterhin sein Prophet blieb.

2. Könige 13,14:
„Elisa war von seiner Krankheit gequält worden, die ihn schließlich tötete. Jehoasch, der König von Israel, stieg herab, um ihn zu besuchen, weinte vor ihm und sagte: Mein Vater! Mein Vater! Du bist der Wagen Israels und seine Reiter!“

Was will uns der Herr lehren?

In unserer Schwäche dürfen wir niemals den Eifer verlieren, Gott zu dienen. Denn all das, was wir erleben, haben auch die Heiligen vor uns durchgemacht. Der junge Timotheus war körperlich sehr schwach, doch er predigte das Evangelium Christi ohne Rücksicht auf seine Beschwerden und reiste umher.

Vielleicht bist auch du ein Prediger oder Diener Gottes, aber du leidest unter wiederkehrenden Krankheiten, die trotz vieler Gebete einfach nicht verschwinden wollen. Bleib dennoch im Dienst! Lass dich nicht entmutigen! Erinnere dich an Timotheus, nimm deine Medizin, geh voran! Vielleicht kämpfst du mit Krebs, Diabetes, wechselnden Schmerzen – lass dich nicht aufhalten. Warte nicht, bis du vollkommen geheilt bist. Gott weiß, warum du so bist, wie du bist. Er hat vielleicht vorgesehen, dass du so lange lebst und Dienst tust, damit sein Name verherrlicht wird und viele andere durch dich Heilung erfahren. Nach dem Tod von Elisa erwachten sogar seine Gebeine Tote zum Leben! Krankheit ist also kein Grund, Gottes Dienst aufzugeben.

Sei mutig und mach weiter! Gott liebt dich, denn er selbst sagt:

2. Korinther 12,9-10:
„Aber er sagte zu mir: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am liebsten viel mehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohne. Darum nehme ich Freude an Schwachheiten, an Beleidigungen, an Nöten, an Verfolgungen und Ängsten um Christi willen auf mich. Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“

Gott segne dich!

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